{"id":77,"date":"2017-11-19T10:24:00","date_gmt":"2017-11-19T09:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herbstzeitlos.tk\/\/reminiszenzen-vii-fluktuationen\/"},"modified":"2021-10-16T18:58:22","modified_gmt":"2021-10-16T16:58:22","slug":"reminiszenzen-vii-fluktuationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/?p=77","title":{"rendered":"Reminiszenzen VII (Fluktuationen)"},"content":{"rendered":"<div dir=\"ltr\">\n<p>Im Anfang war die Unsch\u00e4rfe. Diese Unsch\u00e4rfe lag wie opaker Staub \u00fcber das Sein und das Nichts. Und alles Sein wurde erf\u00fcllt mit etwas, dank der Unsch\u00e4rfe des Nichts, da selbst das Nichts Korpuskel des Seins beinhaltet. Feine Verunreinigungen existenziellen Staubs im Nichts.<br \/>\nUnd alles Nichts wurde entleert dank der Unsch\u00e4rfe des Seins, da selbst das Sein Korpuskel v\u00f6lliger Leerheit des Nichts beinhaltet. Feine Verunreinigungen existentieller Leere im Sein.<br \/>\nFundamentale Unsch\u00e4rferelation zwischen Sein und Nichts im Mikrokontrast der weichzeichnenden Quantenschlieren. Weltbrand. Die Sonne mit ihren efferenten Pfingststrahlen und die fremden Sterne strahlen ihre Eschatologie der Finsternis ins All. Schatten verlieren ihre Daseinsberechtigung in all den gro\u00dfen Finsternissen. Und viele Sonnenfinsternissen \u00fcberall, die vergeblich ihre Schatten der Verdeckung in die Dunkelheit werfen.<br \/>\nAlles ist Zentrum und driftet relational weg.<br \/>\nEgal wohin,<br \/>\njedoch weg,<br \/>\nhauptsache weg.<br \/>\nVereinsamte Einzelsterne diffundieren immer weiter in die st\u00e4ndig zunehmende Leerheit und werden immer einsamer bis sie am einsamsten sind.<br \/>\nUnd alles ist verloren,<br \/>\nverlorener,<br \/>\nam verlorensten.<br \/>\nUnd am Ende nur noch das heiligloseste Ich, das den sichtbaren Abaton nie erreichen und betreten kann. Schlaglichter und Schlagschatten \u00fcberall inmitten der Dunkelwerte deiner selbstverschuldeten, schlaflosen N\u00e4chte beim Rauchen am Balkon.<br \/>\nAm Himmel sind die Sterne der Ungeborenen, doch nur Geborenes leidet schuldlos. Die Natalit\u00e4t ist optional. Sie kann sein. Ist man jedoch geboren, so ist der Tod unweigerlich und rigoros. Er muss sein.<br \/>\nDer Entschluss Kinder in die Welt zu bringen ist gleichzeitig auch die Absicht, dass diese sterben sollen.<br \/>\nMan zeugt immerzu Todgeweihte. Zugleich zwingt man ihnen eine Existenz auf und sie versp\u00fcren ihr ganzes Leben lang einen Existenzzwang, eine N\u00f6tigung zum Jasagen f\u00fcr ihr Sein, dass sie selbst nicht geschaffen haben.<br \/>\nSo zerbrechen die Systeme durch das Aufschaukeln kleinst vorstellbarer Differenzen. Wiederholung und Differenz bis alles zerbricht. Anstelle von Etwas, nur st\u00e4ndig mehr werdende Nischen des Raumes. Kein Raum als Platz f\u00fcr neue raumf\u00fcllende Materie und dennoch ist der Raum ma\u00dfgeblich und ma\u00dfgebend.<br \/>\nMaterie raubt Platz, verdr\u00e4ngt und jede Geburt ist eine Entr\u00e4umlichung des vorhandenen Platzes. Und zyklisches Aufkommen von Raumangst und das Gef\u00fchl am Vakuum zu ersticken als deffensive Haltung entgegen der expansiven Dispersion des Alls.<br \/>\nNur Erwartungshaltungen der elementaren virtuellen Partikel dem Sein anheim fallen zu wollen und Existenz zu erzwingen. Unm\u00f6glich aus Nichts Sein zu machen. Denn es br\u00e4uchte Energie aus dem Nichts, Nullpunktenergie um aus der t\u00f6dlichen Symmetrie und absoluter Energieerhaltung eben aus Nichts nicht Sein und umgekehrt aus Sein nicht Nichts machen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDoch keine Sch\u00f6pfung, keine Zeugung nur st\u00e4ndig vollkommenste Vernichtung, in die Existenz tretender virtueller Elementarteilchen, in den Zwischenr\u00e4umen leerer Pl\u00e4tze im Raume, grundlos und sinnlos.<br \/>\nEnergie aus der Umgebung wird verwendet um ein Teilchen zu erzeugen. Um die Energiebilanz wieder auszugleichen wird simultan noch das Antiteilchen erzeugt, damit beide wiederum in die zum Erzeugen des virtuellen Teilchens erforderlich gewesenen Energie zerstrahlen k\u00f6nnen.<br \/>\nEin ewiges Nullsummenspiel der Energie-Masse-\u00c4quivalenz. Der ganze Kosmos versteht sich von selbst. Er ist eine einzige Tautologie. Virtuelle Fluktuationen in der Dunkelkammer des Nichts. Doch trotzdem eine st\u00e4ndige Todgeburt im Stillen der undenkbarsten Leere des Nichts, unerlebt. Thanatologie.<br \/>\nVollkommenste Dualit\u00e4t von Teilchen und Antiteilchen in strengster Symmetrie. Symmetrie die dem Sein seine Existenz raubt. St\u00e4ndige Aufl\u00f6sung in substanzloser nicht definierbarer, formloser Energie.<br \/>\nWo bleibt der fruchtbare Symmetriebruch der Sein zeugt?<br \/>\nWo bleibt das geb\u00e4rende Ausbleiben von dualen Antagonisten die sich l\u00f6schen?<br \/>\nDoch nichts, nur parit\u00e4tische Gegens\u00e4tze des Seins, die aufeinandertreffen und sich unweigerlich immerzu ausl\u00f6schen.<br \/>\nEine chronische Fetalwelt ewiger Geburtsverwerfungen, vorgeburtlich, fehlgeburtlich.<br \/>\nDoch dich wollte niemand, deswegen existierst du &#8211; Paarbildung in einer Gesellschaft ohne Parit\u00e4t, der Symmetriebruch der Erhaltungss\u00e4tze, der dich in deiner Alleinheit erh\u00e4lt und bestehen l\u00e4sst, mit dem Preis tiefster Einsamkeit. Dein Innigstes lebt immer allein. Der Zufall f\u00e4llt und du? Vom M\u00fcnzwurf besiegt.<br \/>\nFluktuationen, unz\u00e4hlbar und willk\u00fcrlich als unerfahrbare Realit\u00e4t. Annihilation \u00fcberall im nichtsdurchfaserten \u00c4ther entropischen Hintergrundrauschens inflation\u00e4rer Vorzeit. \u00a0Unh\u00f6rbare Elementarger\u00e4usche aus dem schalltoten Raum. Du lauschst der Perseiden lautloser Laut des Erl\u00f6schens gefallener Sterne am Himmel. Das Ger\u00e4usch des Tinnitus in dir selbst, nicht n\u00e4her lokalisierbar, eindringende Schallwellen nirgendwo, nur f\u00fcr dich alleine und au\u00dfer dir vollkommenste Stille.<br \/>\nNur Photonen, Antiteilchen ihrer selbst, die in deine tauenden Augen treten, doch nicht wie beim Schneiden einer Zwiebel.<br \/>\nTr\u00e4nen laufen \u00fcber den Glask\u00f6rper, stumme Fermaten tiefster Traurigkeit. Unsagbar, unbeschreibbar unverwortbar, wie die Lokalisationslosigkeit des Regenbogens. Sie zerbrechen in winzigen Prismen zu winzigen Regenb\u00f6gen, die sich als blasses Aquarell auf dein trauriges Purpur legen. Und resignierend wei\u00dft du, dass das Ende des Regenbogens unendlich fern und unerreichbar ist, wie das Abaton deiner Erinnerungen und Sehns\u00fcchte, die es nicht gibt, wie sie sagen.<br \/>\nSagst du das von dir aus oder haben es andere \u00fcber mich erz\u00e4hlt?<br \/>\nGebrochene Potenzen \u00fcber fraktale Mengenschalen bohrscher \u00c4onenorbitale, wohlbeh\u00fctet von den Archonten.<br \/>\nUnd die Tr\u00e4nen deiner Traurigkeit fallen permessiv durch tausend Siebe ohne R\u00fcckstand zu hinterlassen. Sie sind Randerscheinungen in den Augenwinkeln, wie Regen eine Randerscheinung des Gewitters ist;<br \/>\nWie Neutrinos die durch feste Materie fliegen ohne wechselzuwirken. Sie verkennen und ignorieren die Existenz. Zu weit um nah zu sein.<br \/>\nRaum des Empedokles, der immer flacher wird, je weiter man zu denken beginnt. Dimensionen verlieren sich mit \u00fcberabz\u00e4hlbaren Freiheitsgraden in die raumf\u00fcllende Beginnlosigkeit.<br \/>\nDie Werte werden immer inflation\u00e4rer.<br \/>\nWerte werden immer mehr weniger.<br \/>\nSie n\u00e4hern sich nicht,<br \/>\nsie werden weniger.<br \/>\nDas Wenige wird immer Weniger, das viele wird auch immer weniger.<br \/>\nDie ersten werden die letzten sein und die Letzten werden die Letzten bleiben.<br \/>\nUnd die Armen werden immer \u00e4rmer und die Reichen werden auch immer \u00e4rmer.<br \/>\nAlles stirbt, wie es das Gehorsam des Vaters verlangte, aber ohne Anastase die versprochen wurde.<br \/>\nWer sich selbst erh\u00f6ht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird auch erniedrigt werden.<br \/>\nDie Schere schlie\u00dft sich &#8211; Entropie.<br \/>\nUnd du bist immer noch beim Rauchen am Balkon und hinter dir dein kleines sublunares, hei\u00dfgeatmetes Zimmer. W\u00e4rmeenergie str\u00f6mt nach au\u00dfen in die K\u00fchlheit des anbrechenden Morgenrots.<br \/>\nNiemals wird K\u00e4lte in dein Zimmer kommen. Nein die W\u00e4rme entweicht.<br \/>\nDie viele euklidlose R\u00e4ume werden degradiert zu immer planareren M\u00f6biusb\u00e4ndern, einseitig, einkantig, chiral &#8211; eine nicht orientierbare Mannigfaltigkeit, aussichtslos.<br \/>\nUnd Sysiphos.<br \/>\nUnd Ixion.<br \/>\nUnd Tanatalos.<br \/>\nUnd Buridans Esel der verhungert, da er sich nicht entscheiden kann welchen Heuhaufen er zuerst fressen sollte.<br \/>\nIllusion\u00e4re Unendlichkeit finiter, einkantiger Fl\u00e4che.<br \/>\nFl\u00e4chen je einsamer man wird.<br \/>\nEbene je einsamer.<br \/>\nUnd die Argonauten suchen in der Umfahrung der Erde immerzu das Runde, den Globenrund. Unendlich scheiternde Inklusionen beim durchgehen des Raumes.<br \/>\nDie Entfernung gibt uns Hoffnung, dass selbst parallele Linien sich irgendwann treffen w\u00fcrden. So fl\u00fcchtest du Richtung brunelleskischem Punkt, der vorgibt etwas zu sein, das er nicht ist, wie vermeintliches Festland am Horizont etwas verspricht, das doch nicht ist.<br \/>\nDoch trunks\u00fcchtig vor Hoffnung werden die Argonauten zunehmend abgetrieben und singen wehm\u00fctig in die Wellen ihrer gro\u00dfen Zentrophobie.<br \/>\nStehende Wellen der Vergeblichkeit, wie deine Erinnerungen, die es nicht gab, wie sie meinten. Umflutende N\u00e4sse \u00fcberall &#8211; au\u00dfen<br \/>\nund pochende Blutenfeuchte am Pulse ihrer inneren Zeiten.<br \/>\nUnd immer noch pochen die Schl\u00e4fen an den Stirnen der gezeichneten.<br \/>\nVor dir Landkarten denen nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen ist. Alles ist erreichbar \u00fcber den Finger, ohne abzusetzen und die Schablonisierung der Erde im vollen Gange. Es ist der Wind der Hoffnung der sie immerzu weitertreibt. Und Wellental und Wellenberg l\u00f6schen sich und interferieren wie Doppelspalt in den Stellpl\u00e4tzen in Hafenn\u00e4he. Der doppelte Spalt der Zweigleisigkeit. Und an der Grenze ist nur ferfehltes Leben m\u00f6glich.<br \/>\nUnd die Wellen\u200b nehmen uners\u00e4ttlich Anlauf in v\u00f6lliger Gleichg\u00fcltigkeit, die Zeiten der Gezeiten verkennend.<br \/>\nUnd alles ist verloren,<br \/>\nweiterverloren,<br \/>\nverlorener.<br \/>\nAlles ebbt ein und flutet wieder, solange Mond und Sonne drehen. Doch hier die kleine Mondscheibe des Chons viel dominanter als der Tidenhub der von Isis getragenen Sonnenscheibe. Und dennoch sieht man nur Aton am Himmel und selbst die kreidige Mondscheibe zeigt sich nur durch Atons anflutenden Strahlen erleuchtet.<br \/>\nUnd immernoch h\u00f6rt man Echnatons unverst\u00e4ndlich t\u00f6nenden Sonnengesang in sprachlichen Hieroglyphen \u00fcber die verebbten Meeresb\u00f6den. Und der Pantokrator Atons steht am hohen Mittag.<br \/>\nDie diletatorischen Tr\u00e4gheiten des z\u00e4hen Wasser ebben zur\u00fcck um wieder z\u00f6gernd doch mit sicherer Gewissheit nach vorne zu fluten und zu kentern. Langsam und bed\u00e4chtig mit starker tatenkr\u00e4ftiger lunarer Kraft. Du Argonaut schaust wie das Meer seinen Boden entbl\u00f6\u00dft bis auf den unteren Scheitelpunkt der Gezeitenwelle. Der Tidenhub ist gerade so gro\u00df um einen Menschen zu ertr\u00e4nken. Und dieses Opfer ist kosmischer Natur ein Opfer \u00a0gravitierender Massen f\u00fcr Echnatons Aton und Chons bescheidener Mondscheibe.<br \/>\nIn welche Tiefen sich der Boden doch befindet transzendiert durch die F\u00e4rbung des Wassers von Bodenseen und Bodenmeere.<br \/>\nTiefe Wasser sind schwarz.<br \/>\nJe tiefer desto schw\u00e4rzer.<br \/>\nJe tiefer in das All, umso schw\u00e4rzer.<br \/>\nEs gab Zeiten an denen du noch an Sterne glaubtest. Nun siehst du sie nur mehr, aber glaubst nicht mehr an sie.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Anfang war die Unsch\u00e4rfe. Diese Unsch\u00e4rfe lag wie opaker Staub \u00fcber das Sein und das Nichts. 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