{"id":74537,"date":"2022-09-11T06:32:36","date_gmt":"2022-09-11T04:32:36","guid":{"rendered":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/?p=74537"},"modified":"2022-09-17T23:12:55","modified_gmt":"2022-09-17T21:12:55","slug":"reminiszenzen-xi-truebungen-des-seins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/?p=74537","title":{"rendered":"Reminiszenzen XI: Tr\u00fcbungen des Seins"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Avenir, Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ach gebt mir keine Hoffnung, die macht mich nur traurig, riefen die Menschen zu Pandora und ein Riss ging sogleich durch das Sein. Die Hoffnung als das gr\u00f6\u00dfte aller \u00dcbel, das den Menschen immer wieder aufs Neue fortfahren l\u00e4sst, verbissen ohne aufzugeben, ohne die m\u00f6gliche Vergeblichkeit zu erkennen. Die Zuversicht und die positive Erwartungshaltung, dass das W\u00fcnschenswerte eintreten wird, ohne eine begr\u00fcndete Gewissheit dar\u00fcber zu besitzen, handlungsleitend, bezogen auf die Zukunft. Nur die Zukunft l\u00e4sst hoffen, die Vergangenheit nicht mehr. Doch wenn wir gut wissen woher wir kommen, desto besser wissen wir, wohin wir gehen. Unmittelbar mit der Hoffnung verbunden ist die Angst und Sorge, dass das Erw\u00fcnschte doch nicht eintreten k\u00f6nnte, m\u00fcndend in Verzweiflung und Resignation, das Sichf\u00fcgen in das unab\u00e4nderlich Scheinende. Die daraus resultierende Entsagung f\u00fchrt in die Lethargie und Apathie. Unempfindlichkeit und mangelnde Erregbarkeit, die der t\u00e4uschenden Hoffnung und dem sensitiven Dasein entgegen stehen und als Schutzmechanismen dienen. Hinderung als positives Prinzip. All der Enthusiasmus wird nicht gebraucht. Doch die Sinnlosigkeiten sprechen und fordern heraus.<br \/>\nPandora, geformt aus Lehm &#8211; die Verf\u00fchrerin und der S\u00fcndenfall des Epimetheus, der die B\u00fcchse voller \u00dcbel \u00f6ffnete. Pandora, Eva und die Frauenhasser. Und die fluchw\u00fcrdigen Vorurteile des Anathemas wirken nach, als Aussetzung des Menschen in die, von der Sterblichkeit beherrschten, nachparadiesischen Situation und den sterbepflichtigen Nachfahren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Avenir, Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hoffend verh\u00e4lt sich der Mensch\u00a0optimistisch und illusorisch\u00a0zur\u00a0Zeitlichkeit seiner Existenz. Eine Illusion an der sich die Menschheit trotz alledem festh\u00e4lt, so wie alle Illusionen Halt gew\u00e4hren, obwohl sie zuletzt nur Eigenprojektionen sind. Das Gehirn, das sich selbst externe Strukturen schafft, um diese dann als extern, nicht von ihm stammend, wieder aufzunehmen und sich an ihnen zu orientieren. Radikaler Konstruktivismus und radikaler Projektionismus. Diese externen Projektionen erlangen eine gro\u00dfe Autorit\u00e4t, die nur deshalb besteht, da der eigene Ursprung im Selbst verkannt wird. Das Gehirn erkennt seine eigene Sch\u00f6pfung nicht wieder und es entsteht eine Entfremdung vom selbst Geschaffenen und das Externe wird autorit\u00e4r. Alles sind Ausgeburten der Einbildung und Trugformen des Scheins. Und obwohl sie alle innen hohl sind, tun wir so als w\u00e4ren sie wohlgef\u00fcllt und fest. Die interne Weitschweifigkeit der Gedanken, bis hin zur Ideenflucht f\u00fchren ins Hundertste und Tausendste einer Manie, die Illusionen nach au\u00dfen projiziert und in ihrer Wahnhaftigkeit den Ursprung im eigenen Selbst verkennt. Eine Form von Blindheit, das Eigene nicht wiederzuerkennen, eine R\u00fcckkoppelungsschleife, die die Salutogenese bedingen kann. Das heilende Prinzip der Objektivit\u00e4tsillusion. Blindheit, die eine heilende Wirkung besitzt. Erkenne dich selbst nicht, lehrte bereits Narziss, doch das Verh\u00e4ngnis der Selbsterkenntnis nahm seinen Lauf, als er sich im Quellwasser wiederfand, im Sumpfe der Wahnsinnigen, die t\u00e4glich ihre Blumen gie\u00dfen und mit den H\u00e4nden auf das Wasser einschlugen. Wozu alles erkennen, wenn man selbst nicht wei\u00df, wer man ist. Und ich vertiefe mich solange in meinem Umriss bis ich mich \u00fcbersteige, entgrenze, ausgrenze und umso mehr werde, um mich selbst loszuwerden und zu entfremden. Eine R\u00fcckkopplungsschleife die sogar G\u00f6tter gebieren kann. Gottheiten, die Externa sind und nicht als Eigenprojektionen angesehen werden. Das Eigene und das Andere verschmiert zunehmend und wird schleierhaft psychotisch, sowie die \u00fcbersteigerte Religiosit\u00e4t zunehmend zur Psychose wird. Doch die heilsame R\u00fcckkoppelungsschleife von g\u00f6ttlichen Projektionen als rettende, autorit\u00e4re Externa und die Wiederaufnahme und Anerkennung des selbst Geschaffenen und Konstruierten, ging abhanden. Sogleich starben alle G\u00f6tter und das verzweifelnde Fragen ging vom Nichtwissen aus, so stand es schlecht damit, dass ich mir Antwort gebe, denn alle G\u00f6tter blieben stumm. Entweder muss Gott mehr wissen als er tut, oder mehr tun, als er wei\u00df. Die gr\u00f6\u00dften Wunder verlieren ihren Wert, umso leichter zug\u00e4nglich sie sind und verstauben in der Rumpelkammer der Einbildung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Avenir, Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Und stets ist die Vorstellung der Wirklichkeit voraus. Und die einzelne Pinie am Horizont malt eine drohende Kumuluswolke in den wolkenlosen vormorgenleeren Himmel wie ein gewitterank\u00fcndigender Schattenriss.<br \/>\nUnd die Ungl\u00fccklichen finden nicht alleine zu Wasser kein Wasser mehr, sondern auch zu Land kein Land. Und Tantalos sucht die s\u00fc\u00dfen Wasser in den Wassern und es entglitt ihm sogleich, als er es am sichersten zu halten glaubte. In tiefster Tiefe des Hades, da gab es schlimm nur Schwarzes. So warf es sie hin und her aus dem einen Element ins andere, ungewiss zwischen Tod und Leben. Und mit dem Leben verb\u00fcrgten sie ihm das Gl\u00fcck. Und die Welt ist schon l\u00e4ngst alles, was nicht der Fall sein darf.<br \/>\nAls ich das erste Mal mir meiner inne wurde und von mir selbst einen Begriff machen konnte, fand ich mich eingeschlossen im Inneren eines Berges wieder, der die Landschaft der Kindheit \u00fcberragte und das Talende verschloss. Hier gelten nur Fr\u00fcchte, keine Bl\u00fcten. Es gab kein Hinein und Hinaus und auch nicht den kleinsten Spalt Hoffnung. Die \u00fcbertriebene Pr\u00e4zision und forcierte Lebensrhythmik schlugen um, in eine durch und durch lebensferne Symbolik. Und ich verga\u00df sogleich die L\u00f6sung aller Probleme und ging ein und aus, das Zwecklose praktizierend, das zu meinem Sinn wurde. Das Ortwerden der Dinge, versuchte mir eine Heimat zu schenken und ich wandelte nur wehrlos fort durchs Leben und f\u00fcrchtete nichts, st\u00e4ndig wartend auf das Ma\u00dfgebende im Leben.<br \/>\nBerg und Bergendes, mit ihrer Feste stehen sie der allgemeinen Unbest\u00e4ndigkeit entgegen. Die erste Nahrung bekam ich von einem Wesen, das du Raubtier nanntest, ich aber Mutter, da es mich zur Welt brachte und mir das Leben schenkte und alles au\u00dfer die Sorge ertragen konnte. Und jeder Geburtstag erinnert an das schmerzvolle Leiden der Mutter w\u00e4hrend der Geburt. Aus kindlicher Unwissenheit nannte ich jede Frau Mutter und jeden Mann Vater. Und da du sogar das Raubtier als Mutter betrachtest, da es dir wohltuende F\u00fcrsorge entgegenbrachte, so hat jede Existenz ein beliebiges Wesen, das Gutes tut und Gott genannt wurde. Am Anfang empfand ich das Eingeschlossensein unbeschwehrlich und bergend, vielmehr verhehlte ich mir aufgrund des inneren, geistigen Dunkels das \u00e4u\u00dfere, leibliche. Und da mir die Erkenntnis abging, nahm ich auch nicht wahr, dass mir das Licht fehlte. Im Finstern und in Blindheit begann ich zu leben, ohne es zu wissen im Sein des Nichterkanntsein. Die Nacht war aber nicht dazu da, dass die Unwissenden schlafen, sondern vielmehr, dass die Weisen wachen. Du aber strebst nicht nach Wissen um zu dir selbst zu finden, sondern um von dir loszukommen und die Bitternis der Distanz wurde allm\u00e4hlich zur Gewohnheit. Das Zwecklose als Sinnvolles, das gelebt werden muss, tagein, tagaus. Und was der Tag ausf\u00fchrt bereitet die Nacht vor. Jeder Tag bringt seine Neuheit in das Sprechen, doch hat er sich noch nicht gemeldet. Die Sonne vollendet das Jahr und der Mond das Monat. Und jede Nacht wird der Himmel neu, w\u00e4hrend der Mond die Meere regiert. Bald nimmt er ab, bald nimmt er zu, bald wird er geboren, bald stirbt er. Er leuchtet nicht aus sich selbst heraus und ist der Lichttr\u00e4ger der Sonne. Solarmythologische Unmittelbarkeiten im Lebenslauf der Menschheit, da das gesamte Sein lichtartig ist. Von den G\u00e4rten des Lichts unterwandern wir das Sein in Heiterkeit, auch wenn diese Heiterkeit mit der grobstofflichen Wirklichkeit nur wenig gemeinsam hat.<br \/>\nPl\u00f6tzlich \u00fcberfiel mich das Licht der Erkenntnis, ich wurde vom Schlag des Seins getroffen und begann mich selbst zu erkennen. Die Seinskugel des Parmenides zersplitterte und das Auge sieht was es niemals sah. Ich hatte so viele Augen und Aberaugen, wie der Nachthimmel selbst. Wie Argos Panoptes sah ich alles mit meinen Suchblick und wachte bis sp\u00e4t in die N\u00e4chte hinein, die f\u00fcr mich gemacht waren. Schlaflos mit hunderten von Augen, denn nie war mehr Umsicht von N\u00f6ten wie jetzt, da es so viel Absicht gibt. Doch schaust du nur, oder siehst du auch? Warum stemmst du all die Sterne, wenn du kein Atlas bist? Karyatidin, dein Stoizismus ist gro\u00df, dein Tragen und Ertragen bewundernswert, denn die Last auf deinem Kopf ist schwer wie die Welt selbst. Die Speerspitzen des Begrenzungszauns umgrenzen dich und die Augen begannen zu weinen und das Sehen verschmierte und h\u00f6rte auf. Und die Augenzeugen wurden sogleich \u00fcberfl\u00fcssig. Wie ein Gefangener stand ich da und die Sterne waren Freiheit. Br\u00fcderlich teilten wir das Licht in Quanten, als vereinzelte thermonukleare, dantsche H\u00f6llen. Doch ist es der rein Einzelne, der die schlimme Last des Ganzen tr\u00e4gt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Avenir, Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Felsen wurden mir unzul\u00e4nglich und ich fl\u00fcchtete ins Freie der Freiheit, mit all seinen Konsequenzen des Weltganzen. Oh, vergiss nicht, dass die Freiheit Symptom deiner Krankheit ist und der Horizont eines Kindes Schaukeln ist. Du siehst und beobachtest nichts, so als h\u00e4ttst du alles schon gesehen durch die Zwischenr\u00e4ume Piet Mondrians Fensterkreuzsprosse. Du l\u00e4ufst nicht, verlangsamst nicht, du gehst und gehst und gehst und das Bewusstsein kollabiert regelrecht unter den Gedanken an primordiale, intrauterine Zust\u00e4nde. Wer ungeboren ist, der kann auch nicht sterben und so leben wir ungeboren und ungestorben im Kontinuum, wo uns nur die Versicherung der Koordinaten von Raum und Zeit das Lebensspektrum gew\u00e4hren. Kein Bewusstsein kann sich erkl\u00e4ren, wie es entstanden ist und alles ist nur Wirklichkeit, da Unwirklichkeit nicht einmal gedacht werden kann. Und alles ist so schrecklich wirklich. Das wachbewusste Ich emp\u00f6rt sich \u00fcber die schwarze Wand der Existenz. Eink\u00f6rperung ist das alles umfassende Prinzip der Zeugung bis hin zur Geburt. Und das Wort ist Fleisch geworden.Die zun\u00e4chst monistische Innenwelt dominiert die intrauterine Phase und die Geburtlichkeit bringt uns erst in die Polarit\u00e4t zur Au\u00dfenwelt. Die Geburt als au\u00dfenweltliches Ereignis kreiiert das polare Wechselspiel von Innenwelt und Au\u00dfenwelt, das unser Leben bestimmt und uns zu Innen-Au\u00dfen-Existenzen macht. St\u00e4ndig sind wir mit dieser Doppelwirklichkeit konfrontiert.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Avenir, Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sogleich brach der standhafte Berg unter wuchtigem Beben zusammen und \u00fcbrig blieb eine Ger\u00f6llhalde aus Felssplittern, die meine Kindheit bezeugen, die keine Zeit kannte, nur Bed\u00fcrfnisse. Hier stehst du dauernd in der wahren Sonne und die Schatten sind trennscharf und direkt, wie die Exkarnation der Geburt. In einer shivaitischen Gr\u00f6\u00dfendimension zersplitterte das Ich und die Welt und pendelt zwischen Erhalt und Zerst\u00f6rung und der heilige Ganges flie\u00dft aus Shivas Haar, verseucht und verpestet durch Abw\u00e4sser und Schadstoffe. In ihren Meditationen sch\u00f6pfen sie mit ihren H\u00e4nden gierig aus den Gew\u00e4ssern des Ganges und trinken gierig den Sud aus esoterischen Abw\u00e4ssern. Inmitten dieser Felsenm\u00e4eutik als letzte Philosophie tat sich ein Zeitspalt auf, als Tal in dem von nun an die K\u00f6hler wohnen. Und der Skandal eines Anfangs, der mir angetan wurde,ist ertr\u00e4glich, wenn ich anfange selbst anzufangen. Doch eine zweite Geburt schlug fehl, eine Geburt aus Freiheit. Meine wilde Weisheit stammt von einsamen Bergen und hartem Granit. Lithosph\u00e4risch spielt sich nun das Leben ab, unwirtlich, kalt und hart. Am Fels des Gewesenen zerbricht der st\u00e4rkste Wille. Der windget\u00fcrmte Turm Babels verwirrte meine Sprache und H\u00e4nschenklein ging allein in die weite Welt hinein. Eine Fallgrube an Jahren entstand. Landauf, landab hallte es im Tr\u00fcmmerhaufen von Ach und Weh. Und das Herz empfindet was es niemals empfand. Und ich stand da, v\u00f6llig aus mir selbst entr\u00fcckt, ganz in das rudiment\u00e4re, konzise Weltganze versunken und was ich von der Ferne her ersehnte, davor f\u00fcrchtete ich mich jetzt in der N\u00e4he. Tiefe Ratlosigkeit. Tiefes M\u00e4andern zwischen hartem Aufprallen, Luft Ringen und Aufatmen. Und es scheint, als sei man geboren, die Sonne zu schauen, in die man nie direkt hineinblicken kann und die f\u00fcr jede Finsternis nichts daf\u00fcr kann. Die Freude der Geburt wurde zur Furcht und Schrecklichkeit des Sterbens, tagt\u00e4glich und nachtn\u00e4chtlich, als Sabotage des Schicksals. Und der Ostrazismus gegen dich begann, als die gro\u00dfe gesellschaftliche Exklusion, die deine selbstverschuldete Weltfremdheit begr\u00fcndet. Die kognitive Dissonanz machte es dir unm\u00f6glich an der Gesellschaft teilzunehmen, die nur diskriminieren und ausgrenzen kann. In ihren Abz\u00e4hlreimen scheidest du immer aus. Mit jeder Silbe wird reihum auf einen Mitspieler gezeigt, bis die letzte Silbe des Abz\u00e4hlreims mit dir f\u00e4llt. Die Jugend st\u00fcrmt dahin und die V\u00f6gel verk\u00fcndeten die Erl\u00f6schung der Sterne und das fackelnde Bl\u00fchen der Blumen, die sich allm\u00e4hlich eintr\u00fcbten. Die V\u00f6gel rissen den Ton an und die akustische Pollution durchdrang sogleich die Umwelt. Sie durchschnitten den Himmel und des Menschen Windburgen und die Menschen gingen r\u00fcckw\u00e4rts und machten alles verkehrt, obgleich die Sinnesorgane nach vorne orientiert sind und nicht nach hinten. Denn die Dinge der Welt muss man h\u00e4ufig verkehrt herum betrachten, um sie richtig zu sehen. Sie meinen nein und sagen ja. Sie haben Absicht nicht aber R\u00fccksicht. Ihre Worte werden an den Lippen geboren und sterben an den Wortsieben der Ohren. Die seidenen Worte werden wissentlich \u00fcberh\u00f6rt, doch all das was uns anschreit und anspringt w\u00e4re eigentlich das Leben, im wir sind wir. Das Geheimnis der W\u00f6rtlichkeit liegt auf der Zunge.<br \/>\nUnd all die verschiedenen Gesichter sind nur dazu da, damit das Gute mit dem B\u00f6sen nicht verwechselt werden kann und man unterscheiden kann zwischen sittlich Angefaultem und Gutem. Das Gesicht als moralische Komponente, das der moralischen Unterscheidung entgegenkommt. Abbbreviaturen der Menschheit. Und die Fl\u00fcsse der Zeit str\u00f6men dahin, so still wie profund, gem\u00e4chlich in lautloser Tiefe. Am Ende m\u00fcnden sie in den Stillstand der Meere des Alters, Sund der Gebrechen, statt Gischt nun Gicht statt Wasser nunmehr Wassersucht. Die Fl\u00fcsse b\u00fc\u00dfen ihr Feuer ein und versalzen im Brackwasser der Meeresm\u00fcndungen, wo die archaischen akrokeraunischen Ungeheuer des Meeres warten. Hydra allen voran, am Atoll, das niemals vergisst, in der gro\u00dfen deukalischen Flut. Neptuns Land, das kein Land ist, nimmt dir die Orientierung und verwaist dich der Heimat der losen Dinge. Verwandlungsf\u00e4hig wie Proteus werde ich zum W\u00fcstling und Asket und stets werden sie mich in einer besonderen Form antreffen, die nur im selbigen Augenblick die meinige ist. Wie alle wechselwindigen Meeresg\u00f6tter war ich voll Eigenschaftslosigkeit oder Verwandlungskraft dank meiner Ichvergessenheit. Der Sturm dringt ein &#8211; \u00fcberall Flut, wie K\u00fcsse, wracknahes \u00dcberstehen. Buchtenreicher Saum der Gro\u00dfhirnrinde aus Sand und Muschelscherben, wie der Regenbogen als Zeichen des Bundes. Und vor dir Rechts-Links-Entscheidungen im minotaurischen Labyrinth, wo du nie nach Wahrheit suchtest sondern nur nach Ariadne. Du bist das Eckestehen lange schon gewohnt, als P\u00e4dagogik der Minotauren und hegst keine Anstalt das Labyrinth zu verlassen.<br \/>\nUnd die Seile der Magnetkraft ziehen unsichtbar an den Sp\u00e4hnen des Eisens und die Kompassnadeln &#8211; nunmehr Injektionsnadeln, die die Haut durchstechen und die Barriere des K\u00f6rpers durchdringen, die Orientierung und Richtung verlierend &#8211; diffundierend. Ich bin doch immer wieder nach Hause gekommen. Doch verlasse dich nicht darauf. Wie damals als dir alle Ortschaften feindlich und b\u00f6se wurden. Und die Stimme des Blutes war stark, wie der Organismus selbst und die Seele spricht nur mehr zu sich selbst in angeborenen Harmonien. Alle Zug\u00e4nge sind gelegt. Alle Zug\u00e4nge sind verwehrt. Bleib! Noch ist es m\u00f6glich, bevor der Tropfen den Schlaf mitbringt- tr\u00f6pfelfl\u00fcssig. Und die Narkosetropfen tupfen sanft die n\u00e4chtlichen Regenpf\u00fctzen des Schlafs und hinterlassen leise Wogen und Interferenzen im nachlassenden Bewusstsein. Propofol, das Medikament des momentlangen Verschwindens aus Zeit und Ort.<br \/>\nNichts sp\u00fcr ich im subkutanen, interkostalen, intraven\u00f6s, nerv\u00f6s, w\u00e4hrend der Sirup des K\u00f6nigs bereitsteht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Avenir, Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sogleich dringen die symmetrischen Propofole der Wirklichkeit in den Kreislauf, milchig wei\u00df, wie das Bewusstsein, das sich unmittelbar verliert und eintr\u00fcbt, in den Nebeln der Vergessenheit, wie die Gletschermilch der Ionenkan\u00e4le aus GABA-A und Acetylkolin, in denen du Nihilote am Grunde nach Milchnern der Seiblinge angeltest. An\u00e4sthesien der Geborgenheit und der Wille zur radikalen Weltflucht durch den thalamischen Schlaf Schneewittchens, das sich an der Injektionsnadel stach und darauf in einen tiefen, phlegmatischen Schlaf an Nichtsen und Garnichtsen verfiel. GABA-A die wichtigste Inhibition der Wirklichkeit, durch die gleichzeitige Permeabilit\u00e4t f\u00fcr Chlorid-Ionen, konzentriert im archaischen Hippocampus mit R\u00fcckenmark und dem jungen Neocortex. Das Alte und das Neue, das durch Inhibition vermindert und gehemmt wird. Das Problem liegt im Alten und im Neuen verborgen, ein Generationenkonflikt der in der An\u00e4sthesie gel\u00f6st wird. Der Hiatus zwischen dem Ich und der Welt verschmiert und somit auch der Hiatus der Zeit. Das Alte und das Neue ist inkommensurabel geworden. Die Akkumulation zeitlich getrennter Gegens\u00e4tze der verschiedenen Gehirnregionen f\u00fchrt zu einem organischen Widerspruch, der sich in diversen Pathologien \u00e4u\u00dfert. Dem Menschen fehlt a priori ein vorgegebener Weltbezug was eine grunds\u00e4tzliche Weltfremdheit mit sich bringt. Er selbst wird Gegenstand seiner Reflexion im tiefen existentiellen Gr\u00fcbeln einer gro\u00dfen Unbest\u00e4ndigkeit. Alle wollen wie die Anderen sein und sind trotz alledem sie selbst. In nur einem Leben wurde die lange Zeit der evolution\u00e4ren Hirnentwicklung zum Problem, w\u00e4hrend die hundert Jahreszeiten wechselten, an nur einem Tag. Der Hysteresis-Effekt, der Stabilit\u00e4t und Tr\u00e4gheit gegen\u00fcber rasanten Umweltver\u00e4nderungen mit sich bringt und den organischen Habitus des Gehirns festigt, obgleich sich die Umgebung unl\u00e4ngst ver\u00e4ndert hat. Die alten Gehirnregionen hinken der Zeit hinterher, die neuen Gehirnregionen eilen der Zeit voraus. Das Gehirn wird zu einem vollends unzeitgem\u00e4\u00dfen Organ im Diphthong aus jung und alt und das Rad des Ixion dreht weiter, bis die alte Zeit versank. Und alles Gute mit ihr, die Menschen ohne Falsch, schmucklos aber nicht glanzlos mit ihrer Falte im Gem\u00fct. Und gerade dann, wenn der Mensch am meisten Lebensklugheit und Erfahrung gesammelt hat und das Leben f\u00e4hig w\u00e4re zu leben, bewegt er sich bereits Tag f\u00fcr Tag Richtung Tod hin, w\u00e4hrend er seine Bauten baut, die allesamt seine Zeit \u00fcberdauern. Er lebt keinen einzigen Tag in Sicherheit, aber erbaut Bauten, die tausende Jahre \u00fcberdauern sollen. Schon mit dem Fu\u00df auf der Erde, ist er sich des Lebens nicht sicher. Und alle seine Fundamente gr\u00fcnden auf diese Unsicherheit. Wei\u00dft du \u00fcberhaupt, worauf deine F\u00fc\u00dfe stehen? Wei\u00dft du \u00fcberhaupt worauf du gehst? Und die Possenrei\u00dfer torkeln derweil auf den hauchd\u00fcnnen Faden des hinf\u00e4lligen Lebens und verloren Land und gewannen Sterne. Und \u00fcber den St\u00e4dten wird Gras wachsen und aus der Tiefe rufe ich zu dir, profund der Seichtheit nicht f\u00e4hig. Und die Liebe tritt im Tod dazwischen. Die Nacht vom Land bricht ein in der Narkosen Schlaf. Mittern\u00e4chtlich, an denen sich abtr\u00fcnnig die Suizidgedanken sammeln, aufgeschoben durch den tiefen Schlaf der Narkose. Die Narkose gen\u00fcgt den Gedanken, der Welt abhanden zu kommen. Und das Feuer der Kerze brennt schon bald dunkler und die Dochte bl\u00fchen leise auf, insektogen f\u00fcr alle Insekten der Nacht, als destruktiver Zwang des einspiralisierten Todes, der als Strudel in der Helligkeit der Flamme m\u00fcndet.<br \/>\nSedativ, hypnotisch, antikonvulsiv und amnestisch, der ad\u00e4quate Umgang mit der Penetranz der Wirklichkeit, wo wir niemals genau wissen, in welcher Verfassung wir wiedererwachen. Wo Alltagsschwere pr\u00e4sent ist und das existentielle Tief einen nahezu verschluckt, l\u00e4sst die Spannung aus chromatischen Kontrasten allm\u00e4hlich nach. Die Kolorite der Umgebung rinnen in einem Grau zusammen. Das Aroma des Tages schmeckt nach Unbesonderem, dem man durch Geburt oder Flucht ausgesetzt ist. Es bilden sich Risse in den Schwellen des Bewusstseins. S\u00fcchtig werdend danach, der Welt zu entfliehen und zu entsagen. Sucht, die einen von der Welt wegbringt und nicht ann\u00e4hert, in besch\u00e4mender D\u00fcrftigkeit. Kalter Schwei\u00df, die Tr\u00e4nen der Heliaden, die Tauperlen Dianas und das Nass ihrer Nymphen. Und diejenigen, die bereits im Leben tot waren, sind auch nach dem Tod noch tot. Ein Anfang und Ende der Welt, w\u00e4hrend die Tautropfen, durch die Zartheit der Welt, im Erdreich versickern. Die Welt ist nicht mehr zu fassen, weswegen ich mit mir immer ungerechter werde. Mitten im Tag schwindet das innere Licht und ich drohe lichtlos zu werden.<br \/>\nPeriodisches und chronisches Verlangen nach Vergessenheit und Teilnahmslosigkeit am Weltgeschehen, verweilend in unendlichen Mittern\u00e4chten, wo sich eine intensive Selbsterfahrung breit macht und gleichzeitig alle sinnlichen Au\u00dfenwahrnehmungen verworfen werden. Zurecht verbringt der Mensch ein Drittel seiner Lebenszeit im Schlaf um dort zu sein, wo alle Philosophien verblassen, tief hinabgestiegen im eigenen Selbst. Bewusst wird diese Zeit vers\u00e4umt und jede Bejahung der Frage, ob man denn schl\u00e4ft, ist eine L\u00fcge, denn keine Antwort ist im Schlaf forciert. Wir glauben beim Aufwachen geschlafen zu haben, aber w\u00e4hrend des Schlafens wissen wir nichts von unserem Schlaf. Der Schlaf bedeutet ein Gewesensein ohne die R\u00fcckversicherung des Ged\u00e4chtnisses. Der Schlaf ist die Erscheinungsweise eines radikalen Weltverlustes. Vergessen ist m\u00f6glich, Vermeiden aber nicht. Warum bleibst du unbedeckt, wenn doch alle Welt vor K\u00e4lte zittert. Antinatalismus als Vermeidung des Schmerzes, zeitlebens und die Opiumesser schmatzen an der Mohnknospe und ihre M\u00fcnder verkleben vom wei\u00dfen Saft der heilenden Kapselfrucht. Und dein ist der Leib. Der leidende Leib. Und die zarten Bl\u00fctenbl\u00e4tter des Mohns, kaum des Regens widerstandsf\u00e4hig, fallen auf den Grund meines enterdeten Selbst, w\u00e4hrend tr\u00e4nend die Lachryma papaveris ihre psychotropen Alkaloide preisgibt und den Schmerz allm\u00e4hlich tilgt. Narkotika, die \u00fcber die Opioid-, GABA-A- und NMDA-Rezeptoren wirken, sowie auf die Natrium- und Kaliumkan\u00e4le. Nimm mir die Angst mit Substanzen an den Sigma-1- und Benzodiazepin-Rezeptoren, und fl\u00fcchte doch in die Geborgenheit der Tr\u00fcbung der Emulsion des Propofols. Fl\u00fcchte dich in die Wirkung von GABA-A und B, als Dissidenz gegen die vehemente Wirklichkeit. Sedativa, die pl\u00f6tzlich eher aktivieren als sedieren und als Anxiolythikum am Besten wirken. Angst die aktiviert und gleichzeitig l\u00e4hmt. Gerade in fetalen Reifungsphasen ist die Wirkung von GABA exzitatorisch. Reifungsphasen, die eine Form von Ausgesetztsein und Hypersensibilit\u00e4t beinhalten und eine generalisierte Angst mit sich bringen k\u00f6nnen.<br \/>\nGeneralisiert und unterschwellig, manchmal panikartig und unkontrollierbar tritt sie pl\u00f6tzlich in den Vordergrund, der depressiven Symptomatik. Hydras Kopf der Angst w\u00e4chst aus dem gek\u00f6pften Stumpf.<br \/>\nGABA, die Gammaaminobutters\u00e4ure als einfachste Fetts\u00e4ure, die unangenehmen Geruch von Erbrochenem oder von ranziger Butter besitzt. Butters\u00e4ure die zum Schwei\u00dfgeruch beitr\u00e4gt und aus Glutamat in der Glia decarboxiliert werden kann. Die Am\u00f6ben der Glia durchwachsen m\u00fctterlich des Gehirnes Form. Der Mensch empfindet den Geruch als negativ, die Stubenfliege dagegen als positiv, sowie das Geziefer alle Schreckbilder der Verwesung begehrenswert findet. Selten ist mir Gutes m\u00e4chtig vorgekommen &#8211; Frieden der Ver\u00e4chter. Und sie schmieren und essen des Morgens ihre Butterbrote.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Avenir, Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Verbindungen mit Halogeniden die dich schlafen lassen und hervortritt das Instabile des Seins und das geborgenheitsf\u00f6rdernde Versagen der nackten Diesseitigkeit. Und ein Schummer tritt durch den K\u00f6rper durch das muskelrelaxierende Succinylcholin und die Wogen der Schummrigkeit fallen vom leinernen Laken des Krankenbetts wie ein sp\u00e4tmittelalterlicher Faltenwurf. Die Wellen der Draperie mit ihren Sulci und Gyri wellen dich in den Schlaf und die Geduld macht dich kl\u00fcger.<br \/>\nAtme in Enge und Weite mit den Seufzern die L\u00fcfte, w\u00e4hrend die Kontrollleuchten an den Maschinen blinken oder was und das Herzrythmusger\u00e4usch verinnerlichen. Das Kardiogramm wacht \u00fcber dir, auf Bildschirmen, dort am Pulse der Zeit, der Takt an der Schwelle zum Bewusstsein, wo allm\u00e4hlich dich die Narkose verl\u00e4sst, an der H\u00f6hle des Hypnos, die der Lethe durchflie\u00dft. In diese Grotte tritt kein Licht und kein Laut und alles schl\u00e4ft in kimmerischer Finsternis. Ein Gebiet aus Nacht und Nebel, das Helios nie durchscheint. Und meine tiefe Menschenscheu macht mich blicklos, r\u00fcckgezogen in der Geborgenheit des sch\u00fctzenden Baldachins. Es neigt sich der Nacht, unbeweglichster Stern und du schwebst im Schlaf, begleitet von den Hymnen am Gew\u00f6lbe der Gro\u00dfhirnrinde. Allm\u00e4hlich wirst du wieder Ding unter Dingen und K\u00f6rper unter K\u00f6rpern und die Individualit\u00e4t keimt immer wieder auf, im Tagwerden im Tag. Das Ich streift sich wieder sanft \u00fcber die Organik deiner linienhaften Kontur. Die Meteorologie der Grauheit nimmt aschenfarbig \u00fcberhand und langsam kehrst du wieder zur\u00fcck aus der Narkose, nichtssagend und nebelhaft, denn alle Worte fehlen. Das aus ferner Vorzeit versunkene, archaische ist gerade anfangs dominant, bis h\u00f6here Bewusstseinszust\u00e4nde einsetzen, die die Rationalit\u00e4t begr\u00fcnden und sprachliche Ausdrucksformen erlauben. Das graue Spektrum deiner Wahrnehmung gewinnt wieder an Farbe, sowie jedem sehf\u00e4higen Dasein das Eintauchen in die weltliche Farbigkeit erzwungen ist. Das Gleichg\u00fcltige, Trostlose bleibt, das Tendenzlose und Irrelevante keimt auf, im Kontext des primordial Hellen und Dunklen, das jeder Farbigkeit vorausgeht. Grausichtigkeit und die Verfremdung des Sichtbaren, die eine tiefe Unbuntheit mit sich bringt, weicht allm\u00e4hlich aus der Wahrnehmung und gefestigt wird das Bewusstsein allm\u00e4hlich im Wiedererwachen der Farbigkeit. Die Erstheiten von Hell und Dunkel waren vorerst im st\u00e4ndigen kontr\u00e4ren Streit miteinander. Das ewige Gegeneinander und die Kohabitation von Licht und Finsternis, von Schwarz und Wei\u00df fand kein Ende. So verweiltest du im Zustand der Narkose und Parzellen an Lichtspuren blieben in der Dunkelwelt gefangen, im st\u00e4ndigen Streit der Fraktionen, bis du allm\u00e4hlich lichtst\u00e4mmig wurdest und die Geburtlichkeit einsetzte. Empfindlich wie ein Neugeborenes kamst du zur\u00fcck aus der Dunkelwelt, lichtempfindlich und hypersensibel aus der zeitlosen Ewigkeit. Furcht und Zittern erh\u00e4rteten sich unterschwellig im feinfingrigen Lichte der harten Realit\u00e4t. Monochrom profilierten sich allm\u00e4hlich aus Wei\u00dfem und Schwarzem Figuren und du kamst zur\u00fcck aus der quasitemporalen Enklave der Propofolnarkose, halbschattengrau wie das Grau Gerhard Richters oder das schwere Bleigrau Anselm Kiefers. Der sachte Wellengang gibt sich leise und unterschwellig als themenlose Selbstpr\u00e4senz zu erkennen. Das unfokusierte Bewusstsein kommt wie Wellental und Wellenberg unterschwellig allm\u00e4hlich wieder zur\u00fcck. Das Nichts der Bodenlosigkeit ist noch allzu pr\u00e4sent, doch die W\u00fcste, die geschaffen wurde, blieb und \u00fcberzieht alles. Die sandige Materialit\u00e4t zeitigt in uns das Ged\u00e4chtnis.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Avenir, Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hab keine Angst, es sind nur die Vitalparameter, gez\u00e4hlt und gemessen in T\u00f6nen am Bildschirm \u00fcber dir.<br \/>\nIn der Konvulsion liegt die Heilung verborgen und die Stimulation und kurzfristige neuronale \u00dcbererregung des Gehirns verbessert die therapieressistente, schwer behandelbare Symptomatik.<br \/>\nDie Remission der depressiven Symptome trete gl\u00fccklicherweise ein. Doch das Haupt der Hydra wacht \u00fcber alles und der abgeschlagene Kopf bringt neue hervor. Vielleicht ist es die Angst, die in das Zentrum r\u00fcckt, wenn andere Symptome schweigen.<br \/>\nKonvulsion, die eine Besserung der grimmigen Krankheit bewirkt, du liegst ihr zu F\u00fc\u00dfen, und die Verzweiflung zerrei\u00dft dir das Herz. Nasser, kalter Schmerz, wie heillos liegt er in der Depression verborgen. Tiefer als der Tag gedacht, wirkt der Schmerz ged\u00e4chtnispr\u00e4gend und charakterformend.<br \/>\nUnd all die wiederkehrenden Rituale, Gedenktage, Feiern und Feste, die dem kollektiven Ged\u00e4chtnis einen Rahmen geben, sind gekennzeichnet durch die Symbolik des Schmerzes und transportierten Leids. Eine Erinnerungskultur die bestehen kann muss eine Opferungskultur sein. Nur das Leid bewahrt vor Vergessenheit und jede Schmerzerfahrung intensiviert das kollektive Ged\u00e4chtnis. Im Schmerz werden wir mit uns selbst konfrontiert, nicht nur mit dem K\u00f6rper und unseren Empfindungen, sondern erfahren \u00fcberhaupt erst, dass und in welcher Weise wir leibliche Wesen sind. Im Schmerz zeigt sich die fatale Seite des Objektseins. Er zeigt auf uns selbst und gleichzeitig entfremdet er uns von uns selbst, da wir uns niemals zum Schmerz bekennen wollen. Keiner war mir tr\u00f6stlich im Schmerz. Lass nicht zu, dass der Schmerz endet, nur wenn ich ende. Und doch rinnt niemals in Tr\u00e4nen alleine die Trauer. Und die erlebten Sch\u00f6nheiten im Lichte kann dir niemand nehmen, au\u00dfer du selber. Die Elektroden auf deiner Brust verkleben die Nacht mit dir. Die Haut der Nyx ist zu empfindlich um mit den H\u00e4nden des Tags ber\u00fchrt zu werden und in der Nacht wurde das Wort zum Lichtstrahl. Palpitierend auf rosarotem Millimeterpapier finden sich die mehrkanaligen Kardiogramme wieder.<br \/>\nDie Stethoskope h\u00e4ngen wie Schmuck an den Eminenzen und lauschen den Verklang der Diastolen und Systolen, w\u00e4hrend sie blutige Bilder aus dem Labor betrachten, Kurven und Korrelationen. Schon alleine die Zahl ist frevel. Aus schattiger Durchleuchtung des Thorax ahnen sie noch mehr und ihre Diagnosen sind leider ohne Irrtum und nie ist man ganz geheilt. Vor meinen Augen liegen alle kryptischen Windungen des inneren K\u00f6rperdunkel blo\u00df, aber ich kann nicht feststellen ob sie verdorben oder heil sind. Ihre Gnosis ist genau und Pythias Worte treten ein, gelesen aus den sakrosankten Hepatoskopien. Und so weit das Nervensystem reicht, wollen wir den Schmerz vermeiden.<br \/>\nSie sch\u00f6pft ihre Prophezeihungen aus einem tranceartigen Bewusstseinszustand, der durch Gase aus einer Quelle entsteht. Prophezeihungen aus einem Nebel, aus Ausd\u00fcnstungen der Erde, vorangetrieben durch eine Hypoxie. Die Armut an Sauerstoff, die einen Reichtum beschert. Die M\u00fcdigkeit die den Pessimismus akzentuiert. Und zyanotisch verf\u00e4rbt sich dich Haut der Bewusstseinsgetr\u00fcbten im Rausche der Sauerstoffarmut verminderter Vigilianz in tr\u00f6stender Somnolenz, die Geborgenheit schenkt. Und Apollon wacht \u00fcber dir, aber die Weissagungen werden zu Schwarzsagungen, die nur du glaubst aber andere nicht. Und Kassandras Rufen wird verkannt und sch\u00f6ngeredet, von Menschen mit mangelndem Empatieverm\u00f6gen. Und sie h\u00f6hnen deinen Schmerz und schelten deine Klagen und verstehen deine Sprache nicht. Sie sind die ewig Blinden, die alles verkennen und nichts glauben. Sie missbrauchen die Stille und Dunkelheit mit Angst, von klein auf. In ihrer Menschendistanz erstarrt und verd\u00fcstert der Mensch und die Abst\u00e4nde zwischen den Menschen zehren von der Ber\u00fchrungsangst. Das Feuer der Gesellschaft greift rapide um sich, steckt uners\u00e4ttlich neue Menschen an. Es ist vielfach und zerst\u00f6rend und erlischt. Krankheit ab ovo, die keine klare Sprache spricht, denn die gesunde Sprache die man spricht ist dominiert von einer unversch\u00e4mten Vitalit\u00e4t. Die Sprache der Krankheit ist jedoch gepr\u00e4gt von einer tiefen Insuffizienz, sie greift nicht auf kommunikablen Erfahrungen zur\u00fcck. Das Unerforschliche wird h\u00f6chstens schweigend verwahrt. Die Sprache ist h\u00f6chst labil, denn das \u00dcbel steckt versteckt tief im Inneren, das durch ihre Seichtheit nicht ergr\u00fcndet werden kann. Eingeweint bin ich im Fremdsein der Einsamkeit der lichterlohen Mittelm\u00e4\u00dfigkeit. K\u00fcsse aus Worten, die nur die Lippen verlassen und die ihren nicht ber\u00fchren, obwohl sie tiefer w\u00e4ren, w\u00e4hrend ein Kuss auf die Lippen nur oberfl\u00e4chlich verblasst. Lies mir nicht die Diagnosen vor, ich werde zu etwas Eigenem kommen, eingewoben im tiefsten Weltgeschehen, doch ewig fl\u00fcchtig eingewirkt wie der Silberschleim der Schneckenpfade auf goldbraunen L\u00e4rchenr\u00f6hrlingen. Und jeder schl\u00e4gt sich im Walde seine eigene Lichtung und die V\u00f6gel singen dazu Loblieder.<br \/>\nApollons Strafe des Sehens von Unabwendbaren und die Gewissheit die niemals tr\u00f6stet. Wahrheiten die unzumutbar sind und von anderen nicht verstanden werden, die nicht selbst davon betroffen sind. Und je erkl\u00e4rter alles Erkl\u00e4rbare ist, desto unerkl\u00e4rlicher ist das Unkl\u00e4rliche. Oh pythischer Gott, warum gabst du mir die Gewissheit in aller traurigen Klarheit und Z\u00e4hnis zu sehen, die unabwendbar auf sich wartet. Das Verh\u00e4ngte muss geschehen.<br \/>\nDas Gef\u00fcrchtete muss nahn. Du kannst wohl die Augen schlie\u00dfen, aber das Gef\u00fcrchtete bleibt. Den Realismus gew\u00e4hren lassen in stoischer Schicksalsergebenheit. Nur der Irrtum ist das Leben und das Wissen ist der Tod. Nimm mir wieder die traurige Klarheit von den Augen und lass mich weilen im Nebel der Unwissenheit, im Schummer des Tr\u00fcben, wie der Wanderer im Nebelmeer, dem die Abgr\u00fcnde und der Wirklichkeitsabsolutismus verborgen bleiben. Man muss dem Leben zeitweilig fremd gegen\u00fcber stehen, um es in seiner Tiefe zu erfassen. Und die Kinder sagen dir die Wochentage auf, wie eine Litanei des Alltags, die du sogleich wieder vergisst. Kein Tag vergeht ohne unbekannten Weg und nichts hast du f\u00fcr die Menschheit beigetragen. Zukunft schenktest du mir als Gabe und nahmst mir gleichzeitig den gl\u00fccklichen Augenblick im Hier und Jetzt. Schrecklich ist es der Wahrheit Sohn zu sein, im Dorfe wo alle ewig blind und der Sprache der Krankheit nicht m\u00e4chtig sind, wo sie sogar den schwarz ergl\u00e4nzenden V\u00f6geln alle ihre Augen ausstechen, sodass sie das himmelblaue Licht nur mehr atmen k\u00f6nnen. Und es n\u00f6tigt dich immer mehr in die Eskapologie, ins Ausweichen Richtung Menschenleere. Ich bin nicht der Mund f\u00fcr ihre Ohren. Und die Gebete bestehen alleine im Lassen und lauschend komm ich in das Sehen, w\u00e4hrend ich f\u00fcr alle Wahrheit keine Form finde. Die Ebenen kommen mir durcheinander und die Linien scheinen zu fallen, im Dezisionismus ad infinitum.<br \/>\nKommt es aus dem Kopf kleben sie Pflaster auf die Finger, w\u00e4hrend die Psychologen Ges\u00e4usel und Geschmeichel spenden und die erlauchtesten Psychiater ihren therapeutischen Pansch dazugeben, wenn sich der J\u00e4mmerling mit einem tonlosen, evokativen Ja an ihre Brust wirft. Und die Freudianer stochern h\u00e4misch und bohren s\u00fcffisant in der Wunde, in den Schwaden des Lebens, um schlussendlich alles auf das Libido zur\u00fcckzuf\u00fchren. Und ihre Diagnosen stellen dein gesamtes Leben in Frage, denn sie wissen nicht was sie tun. Und die Zeit heilt eben nicht alle Wunden, sie lehrt nur Formen der Gew\u00f6hnung und des Vergessens in Bezug auf die pathologischen Abirrungen des K\u00f6rpers. Lebenslanges Ausgezehrtsein, das nachweht, b\u00f6enweise, Aufwallen im Tiefinneren, wie eine Festlichkeit mit falscher Teilnahme, die alles r\u00e4cht, auch das Unr\u00e4chbare, von dem man gar nichts wei\u00df. So wiederhole immer wieder das selbe Heimliche, ohne es beim Namen zu nennen. Es soll bestehen, aber namenlos im fruchtbaren Kreis des Irrtums unter dem Himmel der Gnadensonne. Unversiegt ist der Schatz der Trauer. Er steht dir in den Augen und verkrustet sie wie das Wasser in den Salinen. Wir h\u00f6ren in uns hinein und wissen nicht welches Meeresrauschen wir h\u00f6ren. Ist es das neue Leben, das wir wollen, oder das in uns will. Es hat darauf verzichtet unecht und fl\u00e4chig, oberfl\u00e4chlich zu sein. Seine Merkmale sind Urspr\u00fcnglichkeit, das Evidente der totalen Intuition auf st\u00e4ndiger Suche nach der hochgespannten Intensit\u00e4t eines sinnvollen Lebens. Und der wissenschaftliche Heroismus stellt sich als verzweifelter Versuch heraus, deinen Nihilismus zu stilisieren und ihm eine menschliche Komponente zu verleihen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ach gebt mir keine Hoffnung, die macht mich nur traurig, riefen die Menschen zu Pandora und ein Riss ging sogleich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":74542,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-74537","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reminiszenzen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=74537"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":74550,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74537\/revisions\/74550"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/74542"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=74537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=74537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=74537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}