{"id":74028,"date":"2021-02-08T07:44:42","date_gmt":"2021-02-08T06:44:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herbstzeitlos.tk\/?p=74028"},"modified":"2021-08-08T09:52:00","modified_gmt":"2021-08-08T07:52:00","slug":"endspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/?p=74028","title":{"rendered":"Endspiel"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Frost legte sich wie Mehltau auf die Bl\u00e4tter und die unbeschnittenen Angsttriebe des Baumes von letztem Jahr ragen in Richtung Sonne, vernachl\u00e4ssigt von den Schnitten der Rebschere ihrer vermeintlichen Hege und Pflege. Sie k\u00f6nnen nicht sprechen, sie schweigen immer. Ungeerntete zur Verfaulung gereifte Fr\u00fcchte, fermentiert von der W\u00e4rme des Hochsommers im lichterlohen August, als der Himmel in Lohe stand, gro\u00dfteils verschm\u00e4ht von den V\u00f6geln, die kommen und fortfliegen. H\u00f6re genauer hin, denn alle V\u00f6gel fehlen. Sie k\u00f6nnen nicht sprechen, sie schweigen immer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">So lasse die Zeit \u00fcber die Jahreszeiten gew\u00e4hren, die sich dem Ich entzieht, sich ausbreitet und dich \u00fcberdeckt. Vereint mit seiner gleichbleibenden Zahl, bliebst du lange Zeit du selbst in ihren Z\u00e4hlungen und Erz\u00e4hlungen in ihren Mathematiken der geraden Zahl und der ungeraden Unzahl. Und die Quadriga der Jahreszeiten st\u00fcrmt mit Phaethon \u00fcber die D\u00f6rfer, \u00fcberrannt von ihren Schritten, die nur peinigen k\u00f6nnen, wie die der apokalyptischen Reiter, im falschpfingstigen, herbstlichen Licht der Strahleng\u00e4nge am Opaion des nebelsatten Himmels, die nach unten fallen, wie Phaethons Wagen am Tag des gro\u00dfen Weltenbrands, entstehend und wieder vergehend. Er kann nicht sprechen, er schweigt immer. Und seine Fahrt hinterl\u00e4sst die Verw\u00fcstung als Resultat der falschen Absch\u00e4tzung von Himmel und Erde und alles begann zu brennen, d\u00f6rrte aus und bekam Spalten und Risse und die Felder des Nutzens wurden nicht von den Menschen, sondern von der Trockenheit selbst verzehrt. Glutwirbel umw\u00fchlen die alln\u00e4hrende Flora und Fauna und manche Ungeziefer und Zahlentiere wie Tausendf\u00fc\u00dfler und ihrer gleichen fanden in den Rissen und Spr\u00fcngen ihr verlorenes Leben wieder, das ihnen von ihre T\u00f6tungschemie und der Kontamination ihrer \u00dcberheblichkeit genommen wurde. Fall und Verbrennung, als Konsequenz eines einzigen, der gro\u00dfes wagte und durch seine \u00dcbersch\u00e4tzung und \u00dcberheblichkeit die Welt verheerte. Die Sonnenblumen neigen inzwischen in Demut ihre K\u00f6pfe vor der W\u00fcstheit der Welt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0So suchet nunmehr am Himmel nach den glaubw\u00fcrdigsten Wundern, die leuchten und laut sind, wie die falschen Sterne am Himmel, die nur Flugzeuge sind und sich durch die Latenzen der Triebwerke versp\u00e4tet verraten. Und ich warte sehns\u00fcchtig und vergeblich nach einer Antwort in der Dunkelheit, in der ich mich durch meine Verlagertheit befinde. Ich kann nicht davon lassen, die Finsternis vergeblich zu befragen, damals als die W\u00f6lfe die Sterne verschlangen und den \u00fcbersternten Himmel verdunkelten. Die Bette von Sommer zu Herbst von Herbst zu Sommer, in denen du hundert Jahreszeiten abwartest und immer weiter hinabsinkst, von Nacht zu Nacht und von Tag zu Tag, bevor du die Augen aufschlugst, um nur den \u00dcberdruss und all den Sehekel zu sehen, der wie Brechmittel wirkt. Welle f\u00fcr Welle, Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck und Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck in der Br\u00fche des Lebens durch Perlmuttschlieren im Wasser. Deine Augen blickten schw\u00e4rmerisch, doch ich lag nur da, zag und m\u00fcde. Ich schweige mich an dich, du schmeigtest dich um mich. Gemeinsam atmen wir den Morgen rot, als Ank\u00fcndigung falscher Hoffnungen, defiguriert f\u00fcr den anbrechenden Tag, als die Pantoffelhelden ins Freie mussten, all die Jahreszeiten von mir zu dir, als wir uns Dunkles sagten. Doch was hielt uns wach, damals als der Mond zerbrach und die Nacht ihre Kantilenen aus Schlaf sang. Niemand singt so rein, der nicht ungeheuer tief in die Welt gesunken ist. Die Tage liegen schon unter dem Laub und das Auge versinkt spurlos in der Landschaft der Kindheit, wo unlokalisierbare Kreiss\u00e4gen, durch die Tage schrieen, ihr Schrei die Luftelemente impr\u00e4gnierte, und gequarzter Rauch des Schornsteins in ihren Augen brannte, wie Weihrauch, doch unheilig. Sie haben es nicht gesehen, wovon sie sprechen, gespiegelt in den Pf\u00fctzen mit gestockter Haut. Ihre ge\u00f6ffneten H\u00e4nde der Augenbecher greifen gierig nach dem Licht der Au\u00dfenwelt, von dem sie zu Leben erwarten. Selbst h\u00e4ssliche Gegenden finden sie sch\u00f6n und gesund, w\u00e4hrend die Fassaden geduldig abbr\u00f6keln von ihren Architekturen aus Druck und Biegung und durch Spannungen in der Substanz die elementaren Bestandteile des Universums kompromittieren, siegreich durch die Unschuld ihres Alters. Ihre Bauten brechen ein, obgleich sie sich erst im Bau befinden und \u00fcber den St\u00e4dten wird Gras wachsen, Laub und Schnee fallen, die den Ekel der Menschheit \u00fcberdecken und die Friedh\u00f6fe werden zu den sch\u00f6nsten Naherholungsgebieten als sarkastisches Apotropaion des Todes. Bedeckt mit der Exkretion jeder Jahreszeit, mit dem wei\u00dfen Abfall der Himmel und dem farbigen der B\u00e4ume wird alles dunkel werden, wie unter der Erde, verschlossen unter der dichten GrasnarbeIch wo ich mich in dich grub. Ich beginne mit den Ereignissen, aber ohne dar\u00fcber zu sprechen. Und die Natur lehrt uns am besten, aufh\u00f6ren Mensch zu sein und hinterl\u00e4sst in uns das Gef\u00fchl vermehrter Hinf\u00e4lligkeit, dann, wenn alle menschlichen Gewohnheiten abgefallen sind und sich der Mensch aufs \u00e4u\u00dferste entbl\u00f6\u00dft hat. Nackt wuchs ich in die dunkle W\u00f6lbung der Nacht hinein. In ihrer K\u00e4lte zeigt sie uns, dass sie nicht sprechen kann und immer schweigt. Ich kenne die Welt nicht mehr, aber daf\u00fcr kenne ich dich. War ich nicht schon da, wo du hinmusst? Und die Raucher ziehen s\u00fcchtelnd den Rauch durch die Bucht ihres Mundes in ihre Lungen und integrieren inniglich das gro\u00dfe Schweigen der sprachlosen Nacht in ihre Atmung. Die Extrapolation beim Rauchen gebiert immer wieder aufs neue den Zeitkreis des Tages, f\u00fcr solche denen die Zeit abhanden gekommen ist, in all den Hunderten von Jahreszeiten keiner Zukunft, nur aufgeschobener Gegenwart in nur wenigen Jahren. Der K\u00f6rper ist eigentlich bem\u00fcht, um die peinliche Vermeidung von Gasen im Gewebe. Die Lunge aber besteht aus einem invertierten Hohlraum, der sich mit Gasen zu f\u00fcllen vermag, im Niemandsland der Membrane, wo das Blut als Vermittler des raumnegierenden Organs agiert und die Miasmen der Au\u00dfenwelt den K\u00f6rper und Geist vergiften. Der Sog zieht gierig die Au\u00dfenwelt in sich von ihren windtrinkenden Lungen, so kamen sie mit sich zu Atem. Keine leidvolle Erwartungen. Herbstbefangen, im Raufasergeflecht ihrer Gef\u00fchle, wenn sie sich bisweilen mit der Quadratur ihrer ergr\u00fcbelten Gedankenkreise versuchen. Erstarrt im Aushauch der Lungenfeuchte glimmt nur die innere finstere Glut im Inneren der Menschen, die nach au\u00dfen hin kalt sein m\u00fcssen, in machtvoller Milde ihrer Gleichg\u00fcltigkeit, alles erlebt, was sie gewollt haben, hypersensibel wie Prinzessin auf der Erbse durch des Lebens Last. Das Sch\u00f6pferische der Sinne, die die gro\u00dfe M\u00fcdigkeit ersch\u00f6pfen, in st\u00e4ndiger Bereitschaft auf die Surrogate der Au\u00dfenwelt wartend. Auch die Schwelle des Darms ist f\u00fcr das K\u00f6rperwerden der Nahrung verantwortlich. Unbestimmter Ekel regt sich als tiefste Empfindung der Absto\u00dfung, entgegen des Unrats der Au\u00dfenwelt, durch die Wahrnehmung der Sinnesorgane. Ekel, der \u00fcber die Augen, Ohren, den Geschmacks- und Geruchssinn, sowie \u00fcber den Tastsinn ausgel\u00f6st wird und uns konvulsiv zusammenzieht, dadurch, dass die Au\u00dfenwelt uns zu nahe kommt und die Distanz unterschreitet. W\u00e4re es nicht Ekel der uns vertreibt und uns erbrechen l\u00e4sst, so w\u00e4re es Wut und Hass, der uns n\u00e4her bringt. Stumme Affekte in den Paroxismen der Angst, vereint im Schmerz aller Sinne, die von der Au\u00dfenwelt ins innere vordringen, durch die offenen Sinnesh\u00f6hlen ihrer K\u00f6rper, verkommen zum Rhythmus zer\u00fcttenden Schluchzens, wenn lautes Auflachen verstummt. Die Tr\u00e4nen deiner Schwermut flie\u00dfen auch in meine, der du so sanft an mich denkst.\u00a0 Die Eingeweidesinne der Innenwelt, die abstumpfend die Sensation der Schmerzen prophezeihen. Die audr\u00e4ngende Pr\u00e4senz der Au\u00dfenwelt will schmerzhaft in den K\u00f6rper eindringen, weswegen die Vitalempfindung und der sensus vagus der Sinnesorgane entstanden. Die Sinneswahrnehmungen und Erkenntnis wurde bereits Adam und Eva zum Verh\u00e4ngnis und mit ihnen kam der Absturz in die Zeit und die Folter der gevierteilten Jahresrhythmik.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die ganze Perzeption der Au\u00dfenwelt entstand aus dem Schmerzsinn. Wie sonst entsteht ein Sinnesorgan, wenn der Reiz, den es wahrnehmen muss, noch nie qualitativ erfasst werden konnte. Und so wird der K\u00f6rper durchzogen soweit, als in ihm Leben ist. Verstecke dich unter dem tr\u00f6stenden Schleier der Medizin und ihren Analgetikas, Bet\u00e4ubungen und Berauschungen, als pl\u00f6tzlich der Rausch wichtiger wurde, als die Ern\u00e4hrung, dank ihrer scharfen Branntweine.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Jeder Rezeptor ist ein eigener endogener Sinn. Die anderen Sinne sind nach au\u00dfen gerichtet. Wir schauen mit der Tiefensensibilit\u00e4t in unseren Tiefsten Grund. Dort herrscht die frenetische Angst, die einen durchs Leben tr\u00e4gt, soweit sie \u00fcberhaupt tragen kann, soweit man sie vielmehr nicht tragen muss, bis ans Ende, ans Einknicken des Bewusstseins und dem Tod, der wahr wird, da er schweigt. Und da seine Wahrheit Schweigen ist, fehlen auch die Worte und man ger\u00e4t ans Ende aller Worte und der wortgeformten Gedanken. Nur dadurch, dass wir h\u00f6rend Sprechen, k\u00f6nnen wir selbst Sprache hervorbringen, die sich in die Spirale der Ohrmuschel dr\u00e4ngt. Die Schwerkraft der Au\u00dfenwelt dringt ein in das Ohr und spielt mit den Otholithen aus Aragonit Himmel, H\u00f6lle, Fegefeuer. Einspiralisierend f\u00e4llt die Au\u00dfenwelt in das Ohr ein zum Labyrinthorgan in der Felsenbeinpyramide im Vestibulum, wo die Fl\u00fcssigkeit in Bogeng\u00e4ngen das Gleichgewicht der drei Dimensionen zu suchen scheint. Sie reden immer \u00fcber Moral. Dabei haben sie reden mit gehorchen verwechselt, erlernt durch ihr Halbwissen aus d\u00fcrrem Schulkram. Wir sprechen nicht, wir schweigen immer, bis allm\u00e4hlich auch die Gedanken verk\u00fcmmern und verstummen und das Schweigen bin ich selbst, wenn eine einzige Wahrheit einleuchtet in all den falschen Toden und scheinbaren Leben. Das Membranpotenzial wandert entlang und immer mehr Natrium str\u00f6mt in das Zellplasma ein und das Kalium str\u00f6mt hinaus, das Gleichgewicht der Nervenwage suchend. Dahinter baut sich das negative Membranpotenzial gleich wieder auf, auf st\u00e4ndiger Erregung bedacht. Doch pl\u00f6tzlich wird die Repolation unterbrochen und Natrium str\u00f6mt unhaltbar ins Zytoplasma ein, bis die Konzentrationsdifferenzen am Membran v\u00f6llig ausgeglichen sind. Die Zelle quillt und stirbt. Und \u00fcberall wo die Ionengradienten kollabieren sterben die Zellen, sie ertrinken im Einfluten des Natriums. Da jeder Erregungsprozess mit dem Einstr\u00f6men von Natrium beginnt und ein Bruchteil einer Sekunde anh\u00e4lt, so ist jede Zelle kurz inbegriffen im Absterben, bis das negative Membranpotenzial wieder aufgebaut ist. Nervenerregungen sind ein st\u00e4ndiges minuti\u00f6ses Todesgeschehen, in dem vielleicht seelische-geistige Prozesse ablaufen. Die kurzen Todesprozesse an den Nervenfasern und den wei\u00dfen Synapsen w\u00e4ren dann die Vorraussetzung dass Bewusstsein entsteht, das uns allzu oft zum Verh\u00e4ngnis wird. Und so tr\u00fcben die Menschen dahin, w\u00e4hrend sich die Harpyien von toten Zellen ern\u00e4hren und hinterlassen den Tod als kleinste und gr\u00f6\u00dfte Notwendigkeit im Leben, da der Tod sich immer im Leben des Bewusstseins abspielt, das zunehmend verblasst zu leidloser und schuldloser Materie.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6ret hier, das Geheimnis des Sterbens, des Gestorbenseins, den mikrobiologischen Baustein des Todes.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frost legte sich wie Mehltau auf die Bl\u00e4tter und die unbeschnittenen Angsttriebe des Baumes von letztem Jahr ragen in Richtung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":74052,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-74028","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reminiszenzen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=74028"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74028\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":74067,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74028\/revisions\/74067"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/74052"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=74028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=74028"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=74028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}