{"id":74017,"date":"2021-02-08T07:31:49","date_gmt":"2021-02-08T06:31:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herbstzeitlos.tk\/?p=74017"},"modified":"2021-12-27T11:47:08","modified_gmt":"2021-12-27T10:47:08","slug":"der-parasit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/?p=74017","title":{"rendered":"Der Parasit"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die schmelzende Winterh\u00fclle, brachte allm\u00e4hlich den Fr\u00fchling hervor und die Samen br\u00fcllen auf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der S\u00fcdf\u00f6hn w\u00fchlt in den letzten Schneenischen der Eisschmelzwiese. Der Schnee, der den Trug der Farben bisweilen gut \u00fcberdecken konnte, schmilzt in den K\u00fcbeln und hervorkamen allm\u00e4hlich ertrunkene Insektenkadaver, verklammt in der K\u00e4lte der Gef\u00fchle, im letztj\u00e4hrigen Phasenwechsel der Aggregatzust\u00e4nde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Komm lieber Mai und mache.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie opfern die Erstlingsbl\u00fcten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie gehen in ihre Wiesen und brechen jede Blume.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie ziehen ihre Blumen f\u00fcr ihre Busen und Geschlechtsorgane.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie streicheln die Weidenk\u00e4tzchen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und die sch\u00f6nsten Blumen finden sich im Verkehrsbegleitgr\u00fcn. Und \u00fcber den St\u00e4dten wird Gras wachsen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">An der Kante der Tag- Nacht-Gleiche, als Tag und Nacht gleich wurden, am \u00c4quinoktium des Melatonins, kamen sp\u00e4ter dann die ersten Maitiere zu tage.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die suchenden Bienenv\u00f6lker finden bereits irgendwo honigferne Bl\u00fcten versch\u00e4mter Pflanzen und tragen den farbigen Staub an ihren H\u00e4rchen in die Beuten des Aristaios der zunehmend immer \u00f6fter Eintagsfliegen in den Wabengassen findet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Immen sind bereits im Sturm und Drang, w\u00e4hrend die markierten und bezifferten K\u00f6niginnen ihre fluglochnahe Brutt\u00e4tigkeit beginnen. Der Stachel der K\u00f6nigin verkam zum Samenleiter. Wehrhaftigkeit und Vermehrung liegen im Stachel vereint. Der Tod der Biene wird durch ihr Stechen besiegelt. Wehrhaftigkeit bedeutet gleichzeitig ihr Wille zum Tod. Doch viele deiner Bienen haben eine liebvolle Genetik.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Tod, wo ist dein Stachel?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Totenfall des Winters wird hinausgebracht und erste Drohnen schon erbr\u00fctet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Drohnen werden nicht ernst genommen, da sie niemals stechen und haben somit Narrenfreiheit, bis sie als non grata angesehen werden und dann bis August allm\u00e4hlich aus den V\u00f6lkern rausgezerrt werden. Das Matriachat des Augusts tolleriert keine gefr\u00e4sigen, dicken, faulen und dummen Bienen mehr. Sie beteiligen sich weder am Einsammeln von Nahrung, noch besitzen sie einen Sammeltrieb, sowie auch die biologischen Werkzeuge, wie B\u00fcrstchen und K\u00f6rpchen. Sie lassen sich in aller Bequemlichkeit von den weiblichen Immen f\u00fcttern, ihr Gehirn ist kleiner als das der Arbeiterinnen und der K\u00f6nigin. An der geistigen Minderwertigkeit des m\u00e4nnlichen Geschlehts ist nicht zu zweifeln. Die einzige Legitimation der Drohnen ist die Begattung der K\u00f6nigin. Obwohl eine unbegattete K\u00f6nigin nur wenige Drohnen braucht um begattet zu werden, erzeugt ein Volk viele hundert, von denen fast alle ihr Lebensziel verfehlen, wie die Natur so manches in verschwenderischer F\u00fclle schaft und dann verkommen l\u00e4sst. Nach dem Winter wird wieder f\u00fcr den Winter vorbereitet. Obgleich die Bienen Fr\u00fchlingstiere sind, dreht sich ihr ganzes Leben in Vorausschau, um den Winter. Zukunftstiere. Die Waben &#8211; ihr Abbild des Flei\u00dfes, die Geb\u00e4ude, die sie in Verborgenheit f\u00fcr den Nektar bauen. Synchron mit den Pestwurzen kommen die ersten Morcheln zutage. Und mit den Morcheln die ersten Wei\u00dfelzellen. Wei\u00dfelzellen wie Morcheln. Und dann &#8211; die gro\u00dfe Schwarmzeit. Schwarmtrauben h\u00e4nge an den B\u00e4umen wie Wintertrauben. Es ist die Zeit der Manien, vielleicht litt sie der Schwarm?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Persephone, die aus dem Hades entsteigt, bringt jeden Lenz ein bisschen Tod aus dem Hades mit und jeden Herbst, Leben in den Hades zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die 6eckigen Waben wurden zu chemischen Strukturformeln mit Benzolring.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und sie singen das Maik\u00e4ferlied und \u00fcber das Pommerland.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Fern von alledem kam dann die Zeit der gro\u00dfen Pandemie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das ikosaedrische Kapsid mit seinem platonischen K\u00f6rper, der die Ribonukleins\u00e4ure umh\u00fcllt, umarmt het\u00e4risch die Zelle mittels des S-Proteins. Verinnerlicht und eingegliedert im Atmen der Menschheit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Strahlenkranz des Viruses wurde zum Strahlenkranz des heiligen Rochus und der heiligen Maria. Ausgebrochen aus dem Gef\u00e4ngnis der Art der Fledermaus, Spezies \u00fcbergriffig auf den Menschen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das einseitige Verh\u00e4ltnis des Parasits, sein unidirektionaler Pfeil, der nur eine Richtung kennt, wie der Fluss der Fieberlinien der quecksilbrigen Kindheit in ihren Fieberthermometern und im Fluss das Quecksilber der Gletscher. Das Warten auf das Ablesen der Temperatur, nerv\u00f6s und ungeduldig (auf dem Weg der Besserung). Die Radiologie bekam aus den schattigen Lungen, Bilder sch\u00f6nster Nachthimmel pr\u00e4sentiert, kleine Krater der Lyriden und Perseriden.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Man konnte die zeitliche Dauer der Pandemie nicht absch\u00e4tzen. Es wurden Ma\u00dfnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Ausgangsbeschr\u00e4nkungen und Lockdowns wurden verh\u00e4ngt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Pl\u00f6tzlich musste jeder in den Tag hinein leben, mit sich und dem Himmel. Durch jede Kleinigkeit wurden sie verunsichert und zu Sklaven. Ihr circadianer Rhytmus kam ihnen abhanden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Selbst das Wetter und der Tag-Nacht-Rhytmus versklavte sie im Dienste der Sonne und des Regens. Trotzdem denke ich an etwas sch\u00f6nes. An etwas Metrologisches, Klimatisches. Sie scheinen das erste Mal in ihrem Leben den unmittelbaren Eindruck ihres Lebens und ihrer Umgebung zu erfahren. Ihre heilsame Zerstreutheit geriet allm\u00e4hlich ins wanken. Sie waren pl\u00f6tzlich Ausgelieferte der Launen eines Ereignisses, \u00fcber dem sie nicht verf\u00fcgen. Pl\u00f6tzlich mussten sie unmittelbar darunter leiden und hoffen. Sie konnten sich nicht an Gott und die Erde wenden, denn sie bekamen keine Antwort. Die G\u00f6tter leben nur mehr in den Tabernakeln der Kirchen und Kathedralen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und du erwartest das Wetter aber es kam nicht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dein Reich sollte kommen, aber es kam nicht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sonne f\u00fcr Sonne vergingen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie waren pl\u00f6tzlich auf sich selbst zur\u00fcckgeworfen und sahen nun, dass die Soziet\u00e4t in dieser Zeit nichts f\u00fcr sie tun konnte. Sie waren nur etwas innerhalb einer Beziehungsdynamik eines Machtverh\u00e4ltnisses innerhalb der Gesellschaft. Solche, die das Schweigen nicht aushielten, erkannten, dass sie keine Worte f\u00fcr ihre Gef\u00fchle besitzen. Sie kannten nur die Sprache des Marktes, politische Ausdrucksformen ihrer Berichterstattung lokalpolitischen Irrsinns und herk\u00f6mmliche Redeweisen, nicht aber die Sprache ihres Herzens. Ihre Lungen wurden zum neuen Herz. Vielreich bin ich, deswegen bin ich arm an ihrer Welt. Man wusste nichts vom Kranksein und dennoch ist man krank von euch. Die Wirtschaft beklagte eine durch das Virus verursachte Rezession, dabei gehorchte doch alles dem kapitalistischen Prinzip: Ein Parasit vertreibt den anderen. Unzustellbare Briefe, adressiert an die Menschlichkeit. Man sieht eigentlich klar, was es bedarf das neoliberale Marktsysteme am Leben zu halten. Das parasit\u00e4re Kaskadenf\u00f6rmige &#8211; bestehende aus Gedanken, die in der Natur geboren sind. Kultur bleibt zoologischer Machtkampf.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Kommunikationskan\u00e4le substantieller Nahrung &#8211; ein lautes Schreien und Zerknirschen, missverstanden hinter Glasscheiben stehend. Du h\u00f6rst nur das Hintergrundger\u00e4usch der Gesellschaft murmeln, insoweit es lebensnotwendig ist, kollabiert im Extrakt der Einsamkeit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zwischen Ich und du wird das Sein abgehandelt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich und du,\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">M\u00fcllers Esel der bist du.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Meine Welten, die vom Geschehen nichts wissen. Tiefe Gef\u00fchle konnten sie bisweilen nur in flachen Unterhaltungen mitteilen, jetzt sch\u00fctzte lediglich die Einbildung von Liebe, die ihnen gegen ihre Verzweiflung Trost spendet. Doch es war nur die oberfl\u00e4chliche Liebe, eine Liebe aus Selbstsucht im raufasrigen Beziehungsgeflecht des Ichs, das schmutzigste aller Pronomen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Lari-Fari.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Liebe verlangt etwas an Zukunft. Weswegen es keine Liebe mehr gab. Da es nur eine Frage der Zeit ist, dass die Liebe verflacht und die selbstange\u00f6deten Menschen zunehmend die Liebe mit Beruf und Arbeit \u00fcberdecken mussten, bedeutete die Zunahme an N\u00e4he durch die Ausgangsbeschr\u00e4nkungen, die unausstehliche Genervtheit in ihren leergestrittenen H\u00e4usern und sanguine Gef\u00fchle am Kopf.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nun waren sie nur mehr auf sich selbst gestellt und sahen, was sie wirklich ausmacht. Sie sahen das erste mal sich selbst und waren tats\u00e4chlich leere einsame Monaden. Sie hatten jetzt Zeit. Zeit mit sich selbst. Durch die Ausgangssperre und die Quarant\u00e4ne bekamen sie die Freiheit des eigenen Ichs zur\u00fcck. Die Isolation brachte eine Triade von Trennungen mit sich: in ihrem Inneren, untereinander und von der nat\u00fcrlichen Umwelt. Sie empfanden sich ihrer Grundfreiheiten beraubt. Sie verkannten die Freiheit, einmal in ihrem Leben sie selbst sein zu d\u00fcrfen. Sie waren unf\u00e4hig aus sich herauszugehen und ihr Ich zu offenbaren. Gefangen in sanifizierten R\u00e4umen mit nicht abgeschlossener, sich nach innen \u00f6ffnender T\u00fcr, die sie mit Gewalt nach au\u00dfen zu dr\u00fccken versuchen. (Nott\u00fcren \u00f6ffnen sich immer nach au\u00dfen.) Sie nahmen es als selbstverst\u00e4ndlich hin, dass sich zweckm\u00e4\u00dfige T\u00fcren immer in Richtung menschlicher Bed\u00fcrfnisse \u00f6ffnen. Stummheit und Isolation gewannen \u00fcberhand. Wenn der Schmerz und Druck sich der Unmittelbarkeit entzieht und selbst die nahen Mitmenschen nicht mehr erreicht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn das Sprechen \u00fcber die Sorgen und das Leid als aufdringlich und repetitiv erscheint, obwohl man sich nur ein bisschen nach der Geborgenheit des Mitleids sehnt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und sich nach endlosen Erkl\u00e4rungsversuchen indiskret und aufdringlich f\u00fchlt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und sich vorkommt, man versucht nicht st\u00e4ndig dem anderen ins Wort zu fallen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir haben uns dem Sein ausgeliefert und geben uns den Abgr\u00fcnden und Abst\u00fcrzen hin, an den gel\u00e4nderlosen Wegen. Wir st\u00fcrzen aufw\u00e4rts und abw\u00e4rts, mit dem wichtigsten Organ voraus, Zenith um Zenith im Schatten der Schwalbe, mit dem wichtigsten Organ am h\u00f6chsten.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es schwinden, es fallen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die leidenden Menschen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Blindlings von einer<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Stunde zur andern,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie Wasser von Klippe<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zu Klippe geworfen,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jahr lang ins Ungewisse hinab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">(Brahms: Schicksalslied)<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0In ihrem Denken der endlosen Tage, fanden sie ihre Gef\u00fchle wieder, die sie aber nicht formulieren und ausdr\u00fccken konnten. Es stellte sich die simple Frage nach einem sinnvollen Leben in einer sinn- und ziellosen Welt. Ihr Gr\u00fcbeln ist der kl\u00e4gliche Versuch der Quadratur ihrer thymopatischen Gedankenkreise, befangen im Perpetuum mobile der Angst vor der Ansteckung. Erregte Gedanken, dahingesprengt und allgemeine Weisheit vorgaukelnd. Die gesellschaftlichen Schablonen gingen abhanden, sie wurden pl\u00f6tzlich mit einer anderen Art von Schwermut konfrontiert, nicht mit der \u00fcbliche Klassifikation der eigenen Gef\u00fchle und Empfindungen. Ihre Kaltbl\u00fctigkeit konnten sie nicht mehr in flachen Witzen darstellen. Generell \u00fcberwogen deutlich die Scherz- als die Klageworte und man wollte die Angst vor dem Unbekannten und den Konsequenzen dadurch verkennen. Man war sich nicht bewusst, dass jeder Witz und ihr Fallerie und Fallera im Grunde ausdruck der inneren Angst war. Sie sind generell der Ansicht, dass wenn man sich nur lange genug etwas einredet, ist es auch so. Das Gesprochene ist Dogma, Realit\u00e4t und Wahrheit. Der Staat stellte keine Direktiven zu Handeln sondern Befehle, aber Kybernetiker k\u00f6nnen auch nur Schiffe steuern. Der Staat n\u00f6tigte die Menschen erst einmal abzuwarten und alle unn\u00f6tigen T\u00e4tigkeiten einzustellen. Arbeit ist nur mehr eine gesellschaftliche Umgangsform.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcberall sieht man ihre Wut.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ihre Bauwut und ihre Produktionswut.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Selbst wenn Arbeit ohne Mehrung von Reichtum und Wohlergehen verbunden ist, wird gearbeitet und produziert, alleine durch ihre uners\u00e4ttliche Wut. Menschen m\u00fcssen fixiert werden, und werden Gefangene innerhalb der Arbeitszeit an einem bestimmten Ort. Fixiert in ihrer Arbeit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Gehen sie darin auf und identifizieren sich damit, so wird sogleich ihr gesamtes Leben in der Arbeit fixiert. Arbeit ist ein gesellschaftliches Axiom. Pekuni\u00e4re Gr\u00fcnde sind die Maximen einer Ethik aller Raubv\u00f6lker. Alles was ich zu Danken habe, hat nichts mit Geld zu tun.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die maniakalischen Menschen wurden zur Passivit\u00e4t und Ruhe gen\u00f6tigt. Ruhe, die sie nicht erhohlend empfanden, sondern nerv\u00f6s machte, wo sie doch Meister sind, im Dr\u00e4ngeln und Schlangestehen in ihrer \u00d6konomie der Verschwendung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Augenblick, als die Gesellschaft dabei war ihre Beherrschung zu verlieren, waren ihre Gedanken erstmals ausschlie\u00dflich auf den Menschen selbst gerichtet, wenngleich immernoch die eigenen Angelegenheiten am wichtigsten genommen wurden. Die meisten waren empfindlich, was sie in ihren Tagesablauf und Gewohnheiten st\u00f6rte, oder ihren Vorteil bedrohte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie immer verlangte ihre Gereiztheit und ihr Hass nach einem S\u00fcndenbock. Die Politik und \u00f6ffentliche Verwaltung bietet sich da nat\u00fcrlich bestens an, zumal auch die Zeitungen die drastischen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung des Viruses kritisierten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Fibrillen der Macht, mit denen sie die Marionetten ihrer \u00e4rmlichen Systeme steuern, im Wandelhin und Tummelher der Gesellschaft, w\u00e4hrend doch die Welt an allen Enden der Kugel zerbricht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ihr Denken in \u00c4quivalenten ist gepr\u00e4gt von simpelsten Kausaltrieben. Kosten- und Nutzenanalysen im Wertesystem der Zwischenmenschlichkeit und die Menschen, die den Schritt des Landes nicht mithalten k\u00f6nnen. Gebrauchswert, Missbrauchswert.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Tourismus als Besatzungsmacht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Opposition und diametrale Antagonismen sind h\u00e4ufig nur Umkehrungen von bereits funktionierenden Paradigmen, keine Zerst\u00f6rung oder Ver\u00e4nderung derselben. Es ist einfach Systeme in das Gegenteil zu verkehren, indem man einfach alle Aussagen und Pr\u00e4missen antagonisiert. Die Pr\u00e4missen und Aussagen bleiben die selben, nur mit unterschiedlichem Vorzeichen. Nichts Neues wird geschaffen. Ein vorw\u00e4rts laufender Motor l\u00e4uft pl\u00f6tzlich r\u00fcckw\u00e4rts, doch das Konzept des Motors bleibt das selbe und funktioniert immer noch nach den gleichen Prinzipien.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und so funktioniert ihre gesamte Politik und ihre Rhetorik. Die Umkehrung aller Pr\u00e4missen, die Umkehrung des Kreuzes.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und die Logik ihrer Schaumstoff- und Plastilinwelt wurde furchtbar und es kam zu einer Diskreditierung der vernunftszentrierten Ordnung der Gesellschaft. Je weniger Sinn eine Aussage besitzt, desto politischer ist sie. Auf die Totenzahl sprach die Einbildungskraft der Gesellschaft nicht an. Man relativierte und sprach sich gegenseitig Mut zu. Den meisten waren die Gesetze der Pandemie und das Gesetz des Keils zu abstrakt, um erfasst zu werden. Die Zahlen konnten ihnen das Ausma\u00df des anwallenden Aufsterbens nicht vermitteln, damals in der \u00dcppigkeit des Fr\u00fchlings hinein, als die Hydra wieder ihr Unwesen trieb.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr manche wurde die Abstraktheit des Viruses zur Konkretheit. Man tr\u00f6stete sich mit der Vorstellung, dass dies nur tempor\u00e4r sei, und die Todesf\u00e4lle haupts\u00e4chlich \u00e4ltere Personen mit Vorerkrankungen betrafen. Der Schleier aus Weinen und der Schimmer der Trauernden, die seufzenden Schritts ihre Toten zu Grabe trugen, blieb aus. Der Abschied von den Toten wurde vertagt, da gr\u00f6\u00dfere Menschenansammlungen unbedingt zu vermeiden seien. Man z\u00e4hlte mit den schmerzreichen Rosenkr\u00e4nze die Infektionsketten ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Gott hats gegeben, Gott hats genommen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wunde und Wunder.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie waren stehts bem\u00fcht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie feiern Sonntag f\u00fcr Sonntag den Triumph des Schunds, in ihren K\u00f6pfen, dort wo ihre Paradiese starben, in ihrem onthologischen Diminutiv.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Leiche als medizinischer Idealzustand.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Roboter als technischer Idealzustand.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Argumentation verlief so, als h\u00e4tten diese schwachen gesellschaftlichen Personen kein Anrecht l\u00e4nger in der Gesellschaft zu leben.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mitlaut und Mitleid &#8211; abhanden gekommen in ihren demografischen Pyramiden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Was ihr im Geringsten meinen n\u00e4chsten getan habt, das habt ihr mir getan. Obdachlose sollten sich auch an die Quarant\u00e4ne halten m\u00fcssen, hie\u00df es. Sie sollten zu Hause bleiben, das sie aber nicht besitzen. Herumwandern statt Emigration.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie fragen nach dem Sinn der Seuche. Ist es wieder von vorne Anfangen zu m\u00fcssen? Alle erwiesen sich pl\u00f6tzlich als \u00c4rzte, Virologen und Politiker. Sie wurden Experten der wissenschaftlichen Infantilisierung und der staatswichtigen Lebensf\u00fchrung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie h\u00e4ngen ihre Urkunden und Abschlusszeugnisse an die\u00a0 Wand, als w\u00e4ren es Votivbilder und die Ger\u00f6llhalden wachsen rasant an, da alle ohne Z\u00f6gern den ersten Stein werfen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Alle reden aneinander vorbei und bereits zu Walpurgis bei Tanz und Substanz waren bereits dutzende kleine Heilmittelchen gegen das Virus eingereicht worden, in kleinen sch\u00f6nen pharmazeutischen Glastrunkfl\u00e4schchen des Hotel Dieux am Fu\u00dfe des verw\u00f6lkten Zauberbergs.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Durchstichspunkte fragw\u00fcrdiger Injektionen und ihr Allheilmittel, das Panakeion aus Wein und gr\u00fcnen Mohnknospen, das gelobte Laudanum. Substanzen, die immer in hochprozentigem Alkohol gel\u00f6st sind. Die Wirkung des Alkohols ist immer gesichert, wenn schon das eigentliche Heilmittel versagt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Gute an vielen Krankheiten ist, dass man keine Zeit hat, es zu merken. Ohne \u00dcbergang kann es einen treffen und man wird pl\u00f6tzlich aus seinem inneren, schwarzen Diskurs herausgerissen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zu nichts mehr Zeit gehabt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich habe keine Worte daf\u00fcr, deswegen bin ich krank.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Verschwiegen, die allj\u00e4hrlichen Toten ihrer selbst und die vielen Magengeschw\u00fcre.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich winde den Toten die Kr\u00e4nze des Sommers f\u00fcr die Selbstm\u00f6rder.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Selbstm\u00f6rder und ihre psychiatrischen Denkm\u00e4ler nach dem Prinzip von Tode durch Ordnung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ihr Weinen verstaubte in ihrer Einsamkeit und das Augenlicht scheint wahllos in die Ferne.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie, die die Jahreszeiten noch gut abgrenzen konnten, gevierteilt im Jahre der Ratte des ehernen Zeitalters Hesiods Theogonien. Der kleine Winter im Fr\u00fchling, wenn es Bl\u00fcten schneit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Epidemie,\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Pandemie,\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Endemie.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Phobophopie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nur weil sie etwas nicht sehen k\u00f6nnen, existiert es f\u00fcr sie nicht, so wurde die Krankheit lange Zeit einfach nicht anerkannt. Schmerz kann man nicht sehen, sondern sp\u00fcren. Die Pr\u00e4potenz der Ignoranz von Au\u00dfersinnlichem ist allzu pr\u00e4sent, doch niemals w\u00fcrden sie die Existenz Gottes in Frage stellen, den sie auch nicht sehen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ihr Stentor der Idiotik.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ignota und Rara, Invariant in alle Zeit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und \u00fcberall die Pr\u00e4potenz der Ignoranz.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dummheit, ein Symptom der Zeit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Denn die Dummheit ist beharrlich.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie verk\u00f6rpert das Prinzip der Dauer und die Zeit brachte immer mehr Zeit hervor.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie lange die Ausgangsbeschr\u00e4nkungen wohl anhalten werden?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auf der Lauer auf die Dauer.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Fasnacht der vermummten \u00c4rzte zog sich bis in das Fr\u00fchjahr hinein. Und Ostern fiel dieses Jahr aus, f\u00fcr das heuchelnde Fasten von denen, die eigentlich nie Hunger hatten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie fanden reichlich Nahrung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nahrung irgendeiner Ahnung.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Krokusse bl\u00fchten auf-\u00a0 zart wie zerbrochene Eierschalen. Die Pestmasken in Venedig wurden aus der menschenleeren Lagune an das Festland gebracht und unter ihnen versteckt lag das heulende Elend. Die Lagunen wurden glasklar und man sah bis zum tiefen Grunde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich sehe endlich ihren moralischen Allgemeinwillen, durchdrungen durch gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige Disjunktionen und der unbestreitbaren Borniertheit des Menschen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die ziviltechnischen Genies tragen aufgrund des Infektionsrisikos Masken, wohlgen\u00e4ht in ihren Kreuzstichen, gefertigt aus dem Velum der Maria.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie spenden Applaus mit ihren magernen H\u00e4nden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ihre Sch\u00f6nrednerei erw\u00e4rmt den Saal durch die Emotionalit\u00e4t der adjektivistischen Sprache ihrer Redundanzdiskussionen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ihre Familien aus W\u00f6rtern und ihre Papierkinder ihrer strohernen Texte. Sie hauchen in die Erw\u00e4rmung der Zeit, die entropisch die W\u00e4rme sogleich vergisst und dein Mund atmet warm und kalt. Ihre Bravorufe \u00fcbert\u00f6nen die eigentliche Botschaft, ihrer infamen Stich- und Schlagworte. Und Hilfeworte sind nur den Ertrinkenden vorbehalten. Aber nicht denen im Mittelmeer, die durch unterlassener Hilfeleistung ermordet werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ist der Mensch etwa besser als seine Kultur? Kultur ist doch nur transzendierte Natur.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Konsonanten, die den Sprachfluss unterbrechen, den Atem abschneiden und die Stimme erdrosseln. Konsonanten, die W\u00fcrgeperistaltik der Sprache. Inklinationen des Kehlkopfs, an denen die Stimme sich staut. Ihre Stimmfranse des Ja protokolliert auf ihren Papieren der Banausie. S\u00e4tze, die man nicht in die Hand nehmen kann. Mit ihren w\u00fctenden gelbspeichligen Vokalisen spucken sie ihren Hass in die Welt. Tr\u00f6pfcheninfektionen und ihre Wut kommen dem Virus zu gute. Protestkundgebungen gegen das Virus der Massen auf den Stra\u00dfen f\u00f6rdern die Infektion. In Grund und Boden gefallene Worte und an sich selbst wundgeschlagen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Der Virus schl\u00e4ft, sie erregen sich, sie verausgaben sich und verlieren sich wieder f\u00fcr lange Zeit. F\u00fcr die Kranken ist der Schlaf wichtiger als das Leben. Wenn wir schlafen, um zu leben und uns von Seite zu Seite gew\u00e4lzt haben und uns nach einer dritten Seite sehnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie k\u00f6nnen die Kleinheit des Virus nicht verstehen, wie sie auch die Biodiversit\u00e4t an den Ufern der B\u00e4che nicht verstehen. Die R\u00fcckbildungsversuche der B\u00e4che vereinnahmte jahrelang Landschaftsarchitekten in ihrem konkurrierenden Verhalten gegen die Natur des Flusses anzuk\u00e4mpfen, bis die Natur schlussendlich selbst ihren Lauf nahm und sich selbst \u00fcberlassen wurde. Und so wurde irgendwann der Virus und seine Dynamik der Natur selbst \u00fcberlassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das verschwinden der Insekten, des Ungeziefers, wie sie sagen. Die Skalen der Ignoranz,\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Emissionsorte der Grausamkeit in ihren Wertesystemen der Gr\u00f6\u00dfe, die Ordnungsrelation der Wichtigkeit und Lebensw\u00fcrdigkeit. Sch\u00f6n, wie so etwas kleines und filigranes die Welt ver\u00e4ndern kann. Das Milligramm der Medikamente wiegt schwer. Die erfinderischen Flussbette suchen durch die Landschaft die Kanalbreite der Evolution in ihren hemmenden Einfriedungen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Milchlieferungen der Bauern wurden verboten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Den K\u00fchen wurde ihre Natur zum Verh\u00e4ngnis, da niemand sie molk. Die ihrer Geburtenkontrolle unterworfenen K\u00fche verendeten, da die Milch nicht zu den absolut notwendigen Produkten z\u00e4hlte. Die laktierenden K\u00fche verstanden aber nichts von Herdenimmunit\u00e4t und den Durchseuchungsgrad. Die Bauern verstanden es auch nicht. Die Politiker verstanden es auch nicht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Lebewesen Virus, das Geborgenheit und Verinnerlichung sucht, in die Zelle strebend. Wahnsinnige Vermehrung aus seiner Winzigkeit heraus, blo\u00dfe stoffliche Programme, die nur der Reproduktion dienen. Er f\u00fcllt den intrazellul\u00e4ren Raum mit seiner Unsichtbarkeit, die Immunabwehr des Wirtes suprimierend und hintergeht dem Erinnerungsoptimismus des Immunsystems. Das Virus dr\u00e4ngt ins Innere und wird selbst Teil des K\u00f6rpers. Seinsfindung und Verwirklichung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jede Bek\u00e4mpfung des Virus ist somit ein destruktiven Akt, gegen sich selbst gerichtete Autoaggression. Die Immunreaktion auf das Virus ist schlussendlich eine Autoimmunerkrankung. H\u00e4tte ich nicht bewusst aufgegeben k\u00f6nnen, so h\u00e4tte ich es gemusst.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie sch\u00f6n, dass die Welt dem Kleinen und Filigranen wieder Achtung und Respekt zeigt. Du bist gesundet, da deine Organe schwiegen, eingebettet im lichtlosen Fleisch des K\u00f6rperinneren. Der Arzt \u00fcbersetzt ihre Ger\u00e4usche und ihren L\u00e4rm und den fadigen Puls auf den Intensivstationen, w\u00e4hrend sich die Lungen der infizierten aus- und einbuchen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Viele wurden durch Medikamente steril, aber nicht gesund.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Virionen werden zu den gausschen Glockenkurven ihrer explorativen Statistik, w\u00e4hrend die Glocken die leeren Gottes\u00e4cker f\u00fcr seinen Ruf beklingen. Die sklerotischen Strukturen der gotischen Kathedralen, jede f\u00fcr sich ein Turmbau zu Babel. Verstummt in der Archaik, unverst\u00e4ndlich den vielen geworden. Glasfenster im Land, wo es niemals keine Sonne gibt. Kirchenfenster als Lichtlaunen und drau\u00dfen die profanen Scherben ihres Glaubens, zwischen Devotionalienkult mit Christussen, geschnitzt aus Jerusalemh\u00f6lzern, die schmerzreich ihre Golgathakr\u00e4nzchen tragen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sie sehen die logistischen Kurven und die Grundsch\u00fcler begannen die Infizierten zu z\u00e4hlen und prognostizieren mit ihren Abz\u00e4hlreimen den weiteren Infektionsverlauf. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und irren ist menschlich. Sie schieben die gl\u00e4sernen Globen auf ihrem Abakus weiter und spielen Glasperlenspiele, jede Perle eine Tr\u00e4ne. Die Erwachsenen z\u00e4hlen die Antik\u00f6rper der immunen Menschen, wobei die Statistik gestorbene und immune Menschen gleich behandelt. Statistik ist schlussendlich nur Kasuistik und mathematische Mantik, formuliert in ihren wissenschaftlichen Epitomen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Globuline und Globuli.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Tod und Immunit\u00e4t sind in ihrer Statistik der RSI-Modelle das selbe und ver\u00e4ndern die Kurven nicht. Bist du schon immun oder gestorben?, fragen die Datensammelw\u00fctigen. Das ist irrelevant!, antworten die Toten, verscharrt in die Erde, die namenlos macht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mnemosynes Immunsystem ger\u00e4t ins Wanken, die Erinnerungen der Antik\u00f6rper verblassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Ged\u00e4chtnis des Kuckucks.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Tr\u00f6pfcheninfektionen in ihrer spuckenden sprachlichen Aerosolen der Wut und des Hasses, w\u00e4hrend sie Gro\u00dfsein spielen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mahlers Posaunen in der Ferne warnen bereits vor der Ankunft in der l\u00e4ndlichen Heimat. Und pl\u00f6tzlich kommt der Umkehrschluss. Sie schreiben die Landschaft zu Tode. Sie schreiben das Detail zu Tode. Sie schreiben den Menschen zu Tode. Das F\u00fcrimmersein am Ende.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Ortschaften wurden immer feindlicher, dein Auge schon leicht geschw\u00e4rzt von deinen Gedanken, fortgeschritten im Katarakt der Depression.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Langsame Heimkehr ins Hier, Klause um Klause. Ein R\u00fcckfall, Berg f\u00fcr Berg. Tal f\u00fcr Tal nahm dir den Trost. Aufschaukelnde Protuberanzen sich der Welt entledigen zu wollen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Stra\u00dfen verloren ihre R\u00e4nder und alles wurde dichter und allein. Wenn die Jahreszeit wieder nebelt und sobald die Zweige schmal werden, nebelges\u00e4ttigte Luft, virusges\u00e4ttigte Luft, kommt die zweite Welle der Pandemie, dem maritimen Imperativ gehorchend.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Deine F\u00fc\u00dfe waren doch eben noch in der Normandie, wo Van Goghs Strohballen in das Meer der Normandie zu rollen schienen, am Alabasterstrand. Dein Herz war noch im franz\u00f6sischen Hinterland in den menschlosen Niemandsbuchten Handkes, in den Eichen- und Buchenw\u00e4ldern wo sich die Pilznarren bekanntlich versp\u00e4ten. Dir lagen noch die Kathedralen vor den F\u00fc\u00dfen, am Tympanon der Welt und langsam d\u00e4mmert hinten das Tal aus Schwefelflechten und luzidem Nihilismus.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schmelzende Winterh\u00fclle, brachte allm\u00e4hlich den Fr\u00fchling hervor und die Samen br\u00fcllen auf. 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