{"id":42,"date":"2018-02-03T08:05:00","date_gmt":"2018-02-03T07:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herbstzeitlos.tk\/\/reminiszenzen-iii-weltfremdheit\/"},"modified":"2022-09-11T06:52:40","modified_gmt":"2022-09-11T04:52:40","slug":"reminiszenzen-iii-weltfremdheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/?p=42","title":{"rendered":"Reminiszenzen III (Weltfremdheit)"},"content":{"rendered":"<div dir=\"ltr\">\n<p>Reminiszenzen III (Weltfremdheit)<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl von Geborgenheit und Liebe ist mit deinem ewigen Landstreichertum unvereinbarlich. Das Gef\u00fchl von Heimat wurde dir von ihnen genommen, waren sie es doch die, die dir deine eigene Heimat unertr\u00e4glich machten. Und doch sollten gerade diese Lehrer und Dogmatiker f\u00fcr deine Heimat begeistern, einen gesunden Patriotismus voranschreiten. Die Ungebundenheit an einen geographischen Ort bzw. an einem Umfeld scheint sekund\u00e4r entr\u00fcckt zu sein, die F\u00e4higkeit zu Lieben, die beste Voraussetzung um entt\u00e4uscht zu werden. Heimat nur ein Begriff der sich aus kindlicher Perspektive, nur aus kindlicher Weltvergn\u00fcgdheit integer erkl\u00e4ren lassen kann. Ansonsten nichts als eine geographische Singularit\u00e4t, die sich denen anbietet, die nichts zu lokalisieren haben. Wenn Heimat als ein leeres Wort keine emotionale Aufrichtigkeit mit sich bringt, so kann sie h\u00f6chstens kitschig oder nolstalgisch, historisch verkl\u00e4rt sein. Die Heimatsuchenden, sind gerade diejenigen die sich nach der Ferne sehnen. Die Suche danach wird paradoxer weise ins Gegenteil verkehrt und zu einer Odyssee. Heimatsuchen beinhaltet schon per se das Suchen als translokution\u00e4rer Akt, als abschweifen in die Ferne. So dr\u00fcckt Heimweh und Fernweh nahezu das gleiche aus: Deplaciertheit. Heimweh und Fernweh fallen emotional zusammen, nur die Richtung kann dabei jede erdenkliche sein. So leidet man an dem allgemeinsten Symptom, der Deplaciertheit, eine Diaspora in alle Richtungen, nur wohin wei\u00df meistens niemand so genau. Eine Denunziation der Gesellschaft, bzw. das Fehlen einer Affinit\u00e4t zur Gesellschaft beinhaltet somit die Tendenz, seine Existenz in einer anderen Umgebung zu lokalisieren: Der Exodus beginnt.<\/p>\n<p>Die schwerste Forderung des Eremiten eben gerade nur sich selbst Rechenschaft ablegen zu m\u00fcssen. Die Einsamkeit des sich selbst Rechtfertigens, die umso penetranter, kollektivistisch sinnlos erscheint, und individuell umso l\u00e4cherlicher. Heimat ein materieller Begriff der Liebenden, nach dem sich die Einsamen sehnen.<\/p>\n<p>Eine Angleichung an das t\u00e4gliche Leben, kommt Synkopen gleich, nie einer Hom\u00f6ostase von Ruhe und Best\u00e4ndigkeit, einer Intermittenz von absoluter apathischer Gleichg\u00fcltigkeit. Und dennoch sehnst du dich nach einem Gef\u00fchl der Geborgenheit, dass du nur vom Reden und von fr\u00fcher her kennst. Eine Ummantelung, jemanden der dich nur im Arme h\u00e4lt ohne zu sprechen. Eine Madonna, die dich mit ihrem langen Seidenmantel umh\u00fcllt und w\u00e4rmt, eine sch\u00fctzende Sph\u00e4re. Wie lange wirst du denn ohne diese Geborgenheit verweilen, wie kalt muss dein einsames Herz erst werden? Geborgenheit und Heimat sind zwei Begriffe die nahe beieinander liegen, jedoch auch gleichzeitig Antipoden sein k\u00f6nnen.In diesem Fall ein Widerspruch. Gerade im Winter tritt wortw\u00f6rtlichst die wahre Begebenheit der Welt in den Vordergrund: Frost und K\u00e4lte. In allen Bereichen des Lebens betrachten dich viele immer als einen Fremden oder zumindest als Eindringling. Du bezweifelst nicht, dass diese Art dir entgegenzukommen, wann immer du auf andere triffst, zum Gro\u00dfteil und auf obskurer Weise mit deinem eigenen Verhalten zu tun hat. Vielleicht bist du im Umgang mit anderen derart k\u00fchl, dass du andere veranlasst, ohne zu wollen \u00fcber deine Gef\u00fchlsk\u00e4lte nachzudenken. Wie dem auch sei der Eindruck der dir dabei Zuteil wird, bzw. die Absicht dein Verhalten deinem Gegen\u00fcber ad\u00e4quat anzugleichen, scheint befremdlich und misstrauisch zu wirken. Wie dem auch sei es befremdet dich.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reminiszenzen III (Weltfremdheit) Das Gef\u00fchl von Geborgenheit und Liebe ist mit deinem ewigen Landstreichertum unvereinbarlich. 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