{"id":21,"date":"2018-06-03T18:57:00","date_gmt":"2018-06-03T16:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herbstzeitlos.tk\/\/heimat-eine-verstorung-ophelia\/"},"modified":"2021-01-31T16:33:23","modified_gmt":"2021-01-31T15:33:23","slug":"heimat-eine-verstorung-ophelia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/?p=21","title":{"rendered":"Heimat &#8211; eine Verst\u00f6rung (Ophelia)"},"content":{"rendered":"<div dir=\"ltr\" style=\"text-align: left;\">\n<div dir=\"ltr\">Auf der vergeblichen Suche nach flachen Steinen am Gew\u00e4sserrand,<br \/>\ndort am Ufer aus Sand,<br \/>\nein allen Menschen gewidmeter Erlustigungsort. Alle flachen Steine, die sie penibelst aufsuchten, haben sie bereits im Bachbett versenkt mit ihrem Steinwurfspiel. Ihre flachen Steine sind lange schon gez\u00e4hlt, \u00fcbrig bleiben nur noch die schweren amorphen Steine, die f\u00fcrs Werfen ungeeignet sind, wie die Steine der Herausforderung, die man sich selbst in den Weg gelegt hat. Und \u00fcberall ruinierte Fl\u00fcsse.<br \/>\nDoch beginne schon mal mit der Nummerierung von Gesteinen, ich werde mich melden, sobald es mir wieder gut geht.<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u201cDort unten wird wieder eine neue Br\u00fccke gebaut. Der Vorarbeiter der lokalen Baufirma verneinte dein Fragen nach der Sinnhaftigkeit ihres Unterfangens. Sollte die alte Br\u00fccke etwa aufgrund von altersbedingten M\u00e4ngeln von Grund auf erneuert und deswegen die alte Br\u00fccke abgerissen werden? Die Antwort war kurz und knapp und beinhaltete kurzerhand den Inhalt von \u00fcbersch\u00fcssigem Budget der Gemeinde und von F\u00f6rderma\u00dfnahmen, die den Bau von neuen Br\u00fccken eben erleichtern sollte. Er deutete mit seinem Handr\u00fccken und wichtiger Mine auf den vor ihm liegenden Plan und hielt dabei in seiner linken Hand ein ge\u00f6ffnetes Bier. Er schien von der Notwendigkeit seines Bauwerkes voll und ganz \u00fcberzeugt zu sein. Doch du h\u00f6rtest ihn bei seiner Rechtfertigung gar nicht mehr wirklich zu. Zu \u00fcberzeugt schien dir sein Gerede und sein Gesicht beim Biertrinken, als dass du ihn weiter mit Fragen bel\u00e4stigen wolltest. Und wieder verbliebst du mit dem Gef\u00fchl von innerer Verst\u00f6rung und Irritation, alleingelassen in deinen Gedanken an die umz\u00e4unten Rad- und Wanderwege, die \u00e4hnlich nicht wegen der Gefahr eines Absturzes in unwegsames Gel\u00e4nde errichtet worden waren, sondern vielleicht eben gerade aus dem selben Grund, wie die neue Br\u00fccke eben die alte ersetzen sollte. Die sinnlosen Umz\u00e4unungen von Radwegen durch ebenen Wiesen, die nicht etwa Streitigkeiten von verschiedenen Grundbesitzern verhindern sollten, waren nebenbei noch nicht einmal ungef\u00e4hrlich. Erst neulich verletzte sich ein unachtsamer Radfahrer an einem Zaun, als er auf eine Zauns\u00e4ule st\u00fcrzte und sich dabei nicht unerhebliche Verletzungen zuzog. Doch alles vermag so geplant zu sein, wie es eben recht ist: Wirtschaftliche Interessen, Budgethaush\u00e4ltereien und vermeintliche \u00e4sthetischen \u00dcberlegungen spielen eben eine allzu gro\u00dfe Rolle. Du siehst dich um und f\u00fchlst dich umgeben von audiovisuellen H\u00e4sslichkeiten. Ob es nun das neue Pfarrhaus ist, oder etwa der betonierte Almweg, um die Zufahrt von Anrainern zu erleichtern, oder etwa die vielgeliebten Panoramawege, die wie Schneisen durch die W\u00e4lder f\u00fchren und mit riesigen Mammutsteinen zum spazieren gehen einladen. Es ist verst\u00f6rend und l\u00e4sst ein Ekelgef\u00fchl in dir aufkommen. Sie f\u00fchren zu Almen, die okkasionelle Elektrowerke besitzen, deren Strom aufgrund von europ\u00e4ischen F\u00f6rderungen verbraucht werden muss. Je mehr verbraucht werden kann, desto gesicherter sind die F\u00f6rderungen. So l\u00e4sst sich das Netz weiter spinnen und du Obskuratist verbleibst in deinen Gedanken versunken und wirst beschuldigt eben kein politischer Rebell zu sein. Und so gibt es Brunnen in denen kein Wasser mehr flie\u00dft. Verwunderlich, dass gerade H\u00e4sslichkeit dich in die Abstraktion treibt.\u201d<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">Ufer der unzuhause seienden Menschheit von wo noch nie jemand zu Reisen aufgebrochen ist, sie blicken nur sehnlichst in die Ferne, dorthin wo nichts als Wasser ist und ihr Horizont Freiheit hei\u00dft.<br \/>\nSolche freien Menschen glauben an einen guten und schuldlosen Gott. Denn nur die Freiheit des menschlichen Handelns entlastet Gott von jeglicher Schuld und die Theodizee wird a priori verkannt.<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u201cUnd obgleich er das erste Mal in seinem Leben die unendlichen Weiten der Freiheit genie\u00dfen konnte, wusste er als Unerfahrener, noch nichts von derer T\u00fccken und Gefahren. Diese unendlichen Gefilde von Freiheit, die Freiheit von nun an seine Entscheidungen selbst treffen zu wollen, war der Anfang seines gesellschaftlichen und famili\u00e4ren Abstiegs, als er trotz seiner guten Beziehungen und beruflichen Voraussetzungen f\u00fcr hohe politischen \u00c4mter nach seinem Studium, aus von der Gesellschaft und der Familie unverstandenen Gr\u00fcnden, seinen Berufsweg als Clown einschlug.<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>Die Ausma\u00dfe seines fatalen Handelns konnte er im Taumel der Unendlichkeit von Freiheit und im jugendlichen \u00dcbermut seines inneren, freiheitsliebenden Dranges, nicht absch\u00e4tzen. Seine Abneigung gegen des von seinen Eltern gez\u00fcchteten Ichs eskalierte in zornigem Widerstand und mit tiefster Verachtung vor alledem, was ihn von Seiten des Elternhauses gelehrt oder vielmehr aufgezwungen wurde. Jenseits der st\u00e4ndigen Nutzenserw\u00e4gungen der Eltern, jenseits des gewohnten Strebens nach gesellschaftlicher Anerkennung und des wirtschaftlichen und politischen Optimums\u2019, w\u00e4hlte er nun sarkastischer Weise ein Leben als Clown, als wolle er anstelle der Wichtigkeit des Nutzens, ein romantisches Zeitalter des Spiels und Spa\u00dfes ausrufen. Diese sarkastische und unkonventionelle Entscheidung wurde ihm nie verziehen und stie\u00df obgleich eine individuelle, ganz pers\u00f6nliche Entscheidung, auf Emp\u00f6rung von Seiten der sittenliebenden, konventionsbewussten Gesellschaft.&#187;<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u201cDie Stra\u00dfe aus dem Tal schl\u00e4ngelt sich durch die enge Schlucht, andauernd die Seite des Flusses wechselnd. Die felsigen W\u00e4nde der Schlucht sind mit gelber Schwefelflechte \u00fcberzogen. Ohne Vorwarnung rannte pl\u00f6tzlich ein Schwein \u00fcber die Stra\u00dfe, dahinter her, ohne sich etwa um entgegenkommende Autos zu vergewissern, zwei Burschen die das Schwein fangen wollten. Du bliebst beim kleinen Bauernhofe verwundert, stehen. Dahinter kam ein Mann in mittlerem Alter in blutverschmierter Sch\u00fcrze daher gerannt, um den beiden Jungen zu helfen, das Schwein wieder einzufangen.\u201d<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">Gegangen und verstolpert im gemuldeten Moder des Lebens j\u00e4hlings herab von den Alpenh\u00f6hen und das Wasser ertastet mit seiner K\u00e4lte deine Konturen wie ernster Schatten, gegangen in die Leere, um durchzufallen, unachtsam wie Antaios, die Erde unter den F\u00fc\u00dfen verlierend. Du bist gegangen, ohne das Weitergehen zu k\u00f6nnen. Aber was bleibt dir anderes \u00fcbrig als nun dort zu sein, wo ihre Orte ihre Namen erf\u00fcllten in ihrer uns\u00e4glichen, platzbeanspruchenden Klaustromanie.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Der Wasserspiegel f\u00e4ngt den R\u00fcckstand des Himmels ein und gro\u00df\u00e4ugig starrst du in den fl\u00fcsseaufl\u00f6senden See mit seinem ges\u00fc\u00dften, lauen Gew\u00e4sser und um dir eine feine Spreu von M\u00fccken im erweiterten Sommerraum der Wasserzeichen. Auch die Sonne glimmt durch die Kronen und flimmert im ged\u00e4mmerten Altern, wie es eben Abends am See sein musste. Die Strahlen durchdringen das Opaion des wolkigen Himmels und kein Vogelzug ihres Nomadentums am Himmel, zu deuten als Zeichen f\u00fcr vieles. Denn die V\u00f6gel sind zu Grunde gegangen auf den Boden, als Schreit- und Standv\u00f6gel der evolutionsfernen Moderne. Nur ihre ginkgobl\u00e4ttrigen F\u00fc\u00dfe erinnern an vergangene Zeiten, verlorengegeben f\u00fcr die ganze Welt. Und ich dachte diejenigen sind gl\u00fccklich, die die V\u00f6gel singen h\u00f6ren. Doch \u00fcberall laute Stille, nur die Selbstlaute des Windes t\u00f6nen aus allen Windrichtungen. Und aus dem windwunden Himmel f\u00e4llt in pausenloser Friktion der Regen, der uns das Fallen lehrt wie die zur Verfaulung reifenden Fr\u00fcchte.<br \/>\nUnd auch die Ideale werden fallen und ihre G\u00f6tzen werden nicht mehr gen\u00fcgend sein. Du \u00fcberl\u00e4sst die Welt ihrer Liebe zu Streitigkeiten und Rhetorik. Und die Ikonoklasten rei\u00dfen schon die Bilder von den W\u00e4nden um viel h\u00f6her unten zu sein. Es ist Zeit die Masken abzunehmen und der absoluten Indifferenz und Geschehenslosigkeit entgegenzuschreiten. Und sie echoten Schongeredetes nach, was der eine sagte, die Tiere tragen den J\u00e4ger zu Grabe. Sie weinen und klagen und singen im indolenten Chore durch die Felder der Echolalie melancholisch grasender K\u00fche. Hungrige Tiere die sich von Verhungertem ern\u00e4hren und wo sie sagen, sie h\u00e4tten nichts zu leiden gehabt.<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u201cDann, nachdem der gesamte Unrat vom Hofe weggebracht worden sei, erst dann wolle man schauen, einen neuen Eigent\u00fcmer f\u00fcr den Hof zu finden. Es g\u00e4be auch schon einige Interessenten, denen es mehr um die Wiesen ginge als um den Hof an und f\u00fcr sich, wo sie dann angeblich Solaranlagen aufstellen wollten. Die Jungen, so beschrieb der Jungbauer, m\u00fcssen ihn dabei helfen die Schweine zu schlachten. Beide so schildert er, m\u00fcssen das Schwein festhalten, w\u00e4hrend er es mit einem pr\u00e4zisem Schlag mit dem Steinhammer auf den Kopf bestm\u00f6glich bet\u00e4ubte. Danach m\u00fcsse es nur noch erstochen werden. Leider war er diesmal nicht achtsam genug und um nicht versehentlich einen Jungen mit dem gro\u00dfen Steinhammer zu treffen, nutzte das panisch schrill schreiende Schwein die Gelegenheit, um auszubrechen. Das Schwein rannte halb getroffen mit lautem markdurchdringen Todesquietschen davon. \u201eZum Gl\u00fcck passierte den Burschen nichts, die unachtsam auf die Stra\u00dfe sprangen\u201c, meinte er. Angewidert durch die Beschreibungen und den s\u00fc\u00dflichen Blutgeruch, der vom ausgefliesten Raume neben der Milchkammer herkam, warfst du deine Zigarette in eine G\u00fcllepf\u00fctze, die sogleich zischend erlosch.\u201d<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">Die Kleider werden sich volltrinken und mit ihnen Zunahm die Schwere, die nach unten ziehend, schr\u00e4g abw\u00e4rts durch des klaren Wassers langsamer Str\u00f6mungen, allm\u00e4hlich untertauchen lie\u00df, den K\u00f6rper in voller L\u00e4nge, entgegen seines immer geringer werdenden, aushauchenden Auftriebs, wie die Wunscherf\u00fcllungsphantasien von Verdurstenden. Du wurdest getauft mit Wasser, das aber nur nass war, wie deine Kleider, die niemand mehr tr\u00e4gt. Doch gibt es ein Leben nach der Geburt? Durchbrochen das feine primordiale Rhizom der Einbeere am Seesrand, verstolpert in den Dolden des gefleckten Schierlings. Von der Berberitze zerissene H\u00e4nde und Arme welche ausgebreitet in elevatorischer Orantenhaltung verweilen und dar\u00fcber Hahnenfu\u00df so gelb wie Sonne, und daneben das Wei\u00df im Chlorophyll der Taubnesseln. Doch sprich lauter und klarer damit wir dich verstehen und es zu keinen Missverst\u00e4ndnissen kommt! Finde die Begriffe, denn alles was sich sagen l\u00e4sst, kann bekanntlich klar gesagt werden. Darum lege die Symboltr\u00fcbheit ab. Warum schweigst du. Und warum schweigst du immer?<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u201cEinstmals das Laub der gr\u00fcnen S\u00e4urigkeit, gefallen als gelbes Blattgr\u00fcn brauner Bl\u00e4tter, alsbald doch zwanghaft hinab vom fruchtleeren Baume. Gelbes Xantophyll, wie das kristalline Parietin der ast\u00fcberwuchernden carotinorangen Gelbflechte inmitten erstickender, agrarischer Idiotie. \u00a0Blutendes Rot des wilden Weins, wie der trunkene Spott baccantischer Kirchturmmentalit\u00e4t. Und die Kirche schweigt wo dringend zu sprechen Bedarf w\u00e4re und versteckt sich seit Jahrhunderten hinter dem endlos zeredeten, vorgehaltenen und ausgenutzten Leib Jesu. Er wurde von ihnen in ihren endlosen Kommunionen gebrochen.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Alkoholismus des Lethe, cyanidinrot wie die Lippen im Felde des Klatschmohns, so zart wie lachsfarbenes Pelargonin in den Balkonen ihrer Tradition und auf Lippen getrunkener Johannisbeeren. Sie trinken den selbstgebrannten Schnaps und schimpfen \u00fcber die Chemie. Und sie werden gesund und schimpfen \u00fcber die Chemie. Und sie feiern die gro\u00dfe Rekordapfelernte und sie schimpfen \u00fcber die Chemie.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Doch dort komplement\u00e4res Blau, gewandelt zu Metallionen der Kornblume, in den Blumen ihrer bekr\u00e4nzten K\u00fche.<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u201cDie K\u00fche und K\u00e4lber wurden in der Dunkelheit mit Geschiebe und Gepoltere gerade auf einen Lastwagen aufgeladen. Widerwillig str\u00e4ubte sich ein junges Kalb die Rampe auf den Lastwagen hinaufzugehen. W\u00fctend schlug ein Junge sogleich dem jungen Kalb auf das durch so manche Schl\u00e4ge blutende Stei\u00dfbein, um es zum Weitergehen zu zwingen. W\u00e4hrenddessen schrie er laute Schimpfw\u00f6rter und Drohgeb\u00e4rden. Als das Kalb daraufhin etwas zuweit nach links vorne ausbrechen wollte, wurde es mit einem heftigen Schlag auf das Nasenbein wieder in die richtige Position gebracht.\u201d<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">Die W\u00e4lder nunmehr die F\u00e4sser ihrer Weine, die ohne Boden sind. Daneben ihre Felderwirtschaft der Unfrucht, Rotkohlbl\u00e4tter und das verr\u00e4terische Blau der Lippen getrunkener \u00a0Holunderbeeren wie das Methadonblau der mohngekosteten Lippen der Gro\u00dfst\u00e4dter. Substitution nach ihrem hom\u00f6opathischen Prinzip, denn sie behandeln stets Gleiches mit Gleichem. Hass sch\u00fcrt Hass und Gewalt &#8211; Gewalt. Ich aber hasse und liebe niemanden. Und Blaukraut bleibt Blaukraut. Beinahe so adrig blau, wie Delphinidin in Rittersporn und in bitter schmeckenden Aconitumbl\u00fcten.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Purpurnes Anthocyan cesar\u2019scher M\u00e4ntel, wie ihr Einverst\u00e4ndnis zum Gesetz, wie es befahl. Blutig gewordene, entgottete Jahrhunderte, wie das Laub der Buchen, beganger, aber totgeschwiegener Selbstmorde im Jahreskreis des \u00a0Bauernkalenders. Die See wellt sich wie das vertrocknete Eichenblatt. Doch war sie je gl\u00e4tter?<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Und du schweigst<br \/>\nund du schweigst immer.<br \/>\nDein Schweigen wurde fehlgedeutet.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Und du wirst dich entsch\u00fctzen, heraus aus deiner abgeschotteten Resilienz, von der Au\u00dfenwelt, gleichg\u00fcltig der \u00f6den Verletzungen und hinunter sinket der Halbmond deines Halses und das der abhandenen Luft entflohene Keuchen eines Neugeborenen, tiefgreifend aus dem Kehlkopf heraus, panikartig unter dem Spiegel, dort wo Wasser und Luft sich scheiden, im Reklusiasmus der weltlichen Abschottung deines inkognito geborenen Ichtums. Und alle deine Worte sind inkommunikabel geworden und ihre Systeme haben es dir erst erlaubt systemwidrig zu leben, die Welt in dir zerst\u00f6rend in deiner mutualistischen Rebellion, entgegen der besch\u00e4menden, sch\u00e4big &#8211; menschlichen Soziet\u00e4t.<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u201cDiese sarkastische und unkonventionelle Entscheidung wurde ihm nie verziehen und stie\u00df obgleich eine individuelle, ganz pers\u00f6nliche Entscheidung, auf Emp\u00f6rung von Seiten der sittenliebenden, konventionsbewussten Gesellschaft.<\/i><br \/>\n<i>Lange musste er es sich von Seiten der Familie und der Stadtb\u00fcrger vorwerfen lassen, dass er den falschen Berufsweg ergriffen h\u00e4tte und es eine Schandtat sei, seine Talente und Voraussetzungen so unvern\u00fcnftig wegzuwerfen und derart verk\u00fcmmern zu lassen. Vorallem war es aber der Neid und die Missgunst derjeniger B\u00fcrger, die gerne politische und wirtschaftliche Positionen einnehmen w\u00fcrden, aber die daf\u00fcr n\u00f6tigen Vorraussetzungen und Beziehungen nicht mitbrachten.<\/i><br \/>\n<i>Bei diesen Personen l\u00f6ste Augustins Sarkasmus puren Hass aus, viele f\u00fchlten sich veralbert und angegriffen und auch trotz seiner einfach zu verstehenden Rechtfertigungen zu seiner Berufswahl-\u201cIch habe es so gewollt\u201c- konnte es niemand verstehen.<\/i><br \/>\n<i>Seitdem hatte er fast keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, die sich gezwungen sah, ihn aufgrund der unverst\u00e4ndlichen Berufswahl, aus der Familie auszusto\u00dfen und ihn die finanzielle Unterst\u00fctzung zu verwehren, da auch sie die Stellung und den guten Ruf in der Stadt f\u00fcrchteten. Die Bev\u00f6lkerung distanzierte sich immer weiter von ihm und seiner unkonventionellen Handlungsweise, wobei besonders scharfe Worte von Seiten der Moralprediger, die vehement f\u00fcr Sittlichkeit und Konvention eintreten, kamen.<\/i><br \/>\n<i>Unter den Augen lassen sich tiefe, dunkle Ringe erkennen, wobei man nicht erkennen kann, ob sie wirklich aufgemalt wurden oder von lang durchzechten N\u00e4chten zeugen. Die leichte Meeresbrise weht ihm die etwas l\u00e4ngeren, blonden Haare, die unter einem Schwarzen Hut, mit angebrachtem gr\u00fcnen Kleeblatt, hervorh\u00e4ngen, in die Stirn und in die traurig wirkenden Augen, die deshalb leicht zu tr\u00e4nen beginnen.<\/i><br \/>\n<i>Sein Anblick wirkt armselig und mitgenommen, wahrscheinlich machen ihn die famili\u00e4ren und sozialen Ereignisse zu sehr zu schaffen. Es scheint ihm schwer zu fallen, die Glaubw\u00fcrdigkeit eines lustigen Clowns nach au\u00dfen hin zu vermitteln, selbst das aufgemalte lachende Gesicht, scheint nicht wirklich lachen zu wollen und erscheint gedem\u00fctigt und schamhaft. Immer \u00f6fter, so munkelt man, sei er ma\u00dflos betrunken gewesen und torkelte h\u00e4ufig sp\u00e4t Abends zur\u00fcck in seine vorl\u00e4ufige Unterkunft. Er habe sein Leben einfach weggeworfen und muss nun mit den wohlverdienten Konsequenzen zurechtkommen.Als du ihn gerade in diesem Augenblick mit deinem Blicke streifst, siehst du wie er gerade ein entartetes Podest -eine alte Kartoffelkiste- f\u00fcr seinen Auftritt \u00a0\u201eDer Politiker\u201c vorbereitet. Dabei versucht er einen Redner auf seinem Rednerpult zu imitieren und wirkt mit seinen zu gro\u00dfen Clownschuhen ziemlich tollpatschig. Wankend und wild mit den Armen fuchtelnd steht er auf seiner Kartoffelkiste und versucht sein Bestes. Immer wieder greift er dabei in seine Manteltasche, zieht -wen mag es verwundern- eine halbleere Flasche Kognak hervor und trinkt daraus. Dies geh\u00f6rt wohl nicht zu der Interpretation seines \u201ePolitkers\u201c dazu und ist losgel\u00f6st von der Auff\u00fchrung als Pantomime zu betrachten. Es spiegelt n\u00e4mlich, im Gegensatz zu seiner imagin\u00e4ren Pantomime, vielmehr die kalte und wahrhaftige Realit\u00e4t seines ironischen Schicksals wieder.<\/i><br \/>\n<i>Die Menschenmenge wirkt nicht gerade angetan von seiner Auff\u00fchrung, einige bleiben dennoch stehen und lachen- vermutlich nicht \u00fcber die Witzigkeit der Politikerrolle an sich. Wieder andere beschimpfen ihn, da sie sich von ihm pers\u00f6nlich angegriffen f\u00fchlen und es sich nicht gefallen lassen, von einem unkonventionellen und zudem noch angetrunkenen St\u00f6renfried, der nicht so handelt wie es sich normalerweise schickt, derart veralbert zu werden. Als w\u00e4re es noch l\u00e4ngst nicht genug, steht er nun vor ihnen und parodiert genau den Beruf des hohen Politikers bei seiner Wahlrede. Er spielt mit dem Neid und dem Unverst\u00e4ndnis der Stadtbewohner und genie\u00dft es sichtlich, die hineingesteigerten, zornigen Gesichter zu sehen. Seine Parodie wird nun zu seiner ganz pers\u00f6nlichen Racheaktion und ist denjenigen gewidmet die er schon seit langem verachtete.\u201d<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">Einst gefischt in allen Gew\u00e4ssern und nun zu Grabe getragen von den Syrenen, gebettet in weichen Kissen aus Wasser, das die Enten pfl\u00fcgen und \u00fcber dir am Himmel ein silbernes Kokon.<br \/>\nUnd der Tod der Fische wird nun getilgt, \u00a0sie sehen niemals den Fluss in dem sie schwimmen.<br \/>\nIhr Fischen bedeutet noch lange nicht dass sie die Fische m\u00f6gen und essen. Sie zerschlugen die K\u00f6pfe der silbrigen Fische um diese dann angeekelt in den Fluss zu werfen.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Alle Ziele werden erreicht worden sein, da es nie welche zu erreichen gab, unwissend wo sie jetzt sein m\u00f6gen, die einmal deine Gr\u00fcnde waren. Doch nur der Schmerz wei\u00df. Wo sind sie geblieben, wenn nicht in deinen Erinnerungen, von denen sie sagen werden, es habe sie nie gegeben. \u00dcberdr\u00fcssig des st\u00e4ndigen Lebens und der rastlosen Suche nach der Heimat, verst\u00f6rt \u00fcber das Gef\u00fchl des Aufbruchs und leergeborener Neubeginne. Auch fr\u00fcher dachtest du schon an fr\u00fcher. Was bedeutet heute noch, wo sie doch immer wieder ihre alten H\u00e4user neu bauen?<br \/>\nAusl\u00f6schung des erahnten Wissens, da es nie gebraucht wurde. Deine Memoria erlischt und \u00fcbrig bleibt nie wieder Gesehenes. In dir ist feines Entsetzen sp\u00fcrbar immer stiller werdendes Ent\u00e4uschtsein und Entfaszination. Du bist am Leben aber nicht mehr in der Welt.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Tun und lassen wurden gleicherma\u00dfen irrelevant und ununterscheidbar in deiner stoischen Vergleichg\u00fcltigung.<br \/>\nStunden, abgelebt, mit deinen Lieben, die nicht mehr sind. Du f\u00fchlst dich alt. \u00a0Du stehst nicht mehr zur Debatte.<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>&#171;Dann passiert genau das, worauf die b\u00f6sartige Menge voller Missgunst bereits gehofft hat, als der ziemlich betrunkene Augustin ungeschickt mit seinem linken Fu\u00df jenseits des Randes der Kartoffelkiste kommt, dabei umknickt und durch Hilfe der Schwerkraft zu Boden gezwungen wird.<\/i><br \/>\n<i>W\u00e4hrend des Fallens scheint es so, als versuche er sich noch vergeblich Halt an seiner Kognakflasche zu verschaffen, die er in seiner rechten Hand pl\u00f6tzlich die Flasche krampfhaft umfasst und nach oben rei\u00dft. Kognak, sein Freund in einsamen Stunden, in kalten N\u00e4chten, sein einziger Freund der ihm noch geblieben ist, seit dem fatalen Bruch mit seiner Familie und dem Rest der Welt. Er war in letzter Zeit sein treuster Begleiter geworden, doch w\u00e4hrend des Sturzes von seinem Podium konnte er selbst bei ihm keinen Halt mehr finden.<\/i><br \/>\n<i>Ausgesto\u00dfen wegen einer Banalit\u00e4t, als er nicht so handeln wollte, wie es gesellschaftlich schicklich war und alles wegen einer individuellen Berufsentscheidung die keiner zu verstehen mochte. Er, der nie jemanden geschadet hatte, voll von gutem Willen, die Gesellschaft als Clown aufheitern zu wollen. Er, der vom Tag seiner einzigen Entscheidung an, nicht mehr akzeptiert und nicht mehr erw\u00fcnscht war, seitdem nur mehr missverstanden und verh\u00f6hnt wurde.<\/i><br \/>\n<i>Pl\u00f6tzlich hat er in Mitten der str\u00f6menden Menschenenge die Aufmerksamkeit vollst\u00e4ndig auf sich gezogen und sein Auftritt wird schlussendlich doch noch mit einem lauten Lachen belohnt.<\/i><br \/>\n<i>Er kann noch die auf ihn gerichteten Finger sehen, w\u00e4hrend sein schmerzerf\u00fcllte Gesicht, das nun zum Lachen geschminkt, in einer Blutpf\u00fctze von Kognak auf den Boden liegt. Inmitten der Masse treten zwei uniformierte Amtspersonen hervor und zerren den humpelnden Clown mit sich, der nun seine Rolle als stumme Pantomime aufgibt und um seiner Verteidigung Willen um Gnade bettelt.<\/i><br \/>\n<i>Doch Aufgrund seiner heruntergekommenen, erb\u00e4rmlichen Aufmachung wurde er nicht ernst genommen und auf sein Fragen und Bitten nicht eingegangen. Diesbez\u00fcglich verschlimmen die kognakgetr\u00e4nkten Klamotten die Situation noch betr\u00e4chtlich.<\/i><br \/>\n<i>\u00dcbrig bleibt noch seine Kartoffelkiste, die noch an der urspr\u00fcnglichen Stelle steht, jedoch langsam im Menschenstrom zu versinken beginnt, der allm\u00e4hlich auch den Nischenplatz \u00fcberschwemmt, der zuerst von einem Clown besetzt wurde, einem Nischeng\u00e4nger, dem ein Moment der Freiheit zum Taumeln und zum Fall gereichte.<\/i><br \/>\n<i>Einen einzigen Augenblick der Freiheit ward ihm verg\u00f6nnt, als er aus dem Gef\u00e4ngnis des kleinb\u00fcrgerlichen moralischen Dogmas von Gut und B\u00f6se ausbrach und die Fesseln von Konvention und Sitte hinter sich lie\u00df. Dann aber begann sein armseliger Abstieg, dessen Schicksal von missg\u00fcnstigen Menschen und seiner eigenen Familie best\u00e4rkt wurde.<\/i><br \/>\n<i>Er, der er nie verstanden wurde, warum er nicht ein hoher Politiker werden wollte wie sein Vater und anstelle dessen ein Clown wurde.<\/i><br \/>\n<i>Du vermagst noch die resignierenden Tr\u00e4nen des Clowns bei seiner Abf\u00fchrung zu sehen, wie sie langsam \u00fcber den l\u00e4chelnden Mund perlen und h\u00f6rst ihn nur noch schreien: \u201eIch habe euch doch allen nichts getan!\u201c Stumme Worte die an den Mauern des Kleinb\u00fcrgertums abprallen. <\/i><i><u>E<\/u><\/i><i>in S\u00fcndenbock wurde gefunden und zur Rechenschaft gezogen.\u201d<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u00a0<\/i><\/div>\n<div style=\"clear: both; text-align: center;\"><\/div>\n<div style=\"clear: both; text-align: center;\"><\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u00a0<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>\u00a0<\/i><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der vergeblichen Suche nach flachen Steinen am Gew\u00e4sserrand,<br \/>\ndort am Ufer aus Sand,<br \/>\nein allen Menschen gewidmeter Erlustigungsort. Alle flachen Steine, die sie penibelst aufsuchten, haben sie bereits im Bachbett versenkt mit ihrem Steinwurfspiel. Ihre flachen Steine sind lange schon gez\u00e4hlt, \u00fcbrig bleiben nur noch die schweren amorphen Steine, die f\u00fcrs Werfen ungeeignet sind, wie die Steine der Herausforderung, die man sich selbst in den Weg gelegt hat. Und \u00fcberall ruinierte Fl\u00fcsse.<br \/>\nDoch beginne schon mal mit der Nummerierung von Gesteinen, ich werde mich melden, sobald es mir wieder gut geht.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":105,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-21","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reminiszenzen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":74012,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21\/revisions\/74012"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}