{"id":17,"date":"2018-07-07T15:08:00","date_gmt":"2018-07-07T13:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herbstzeitlos.tk\/\/babel\/"},"modified":"2026-06-21T11:55:19","modified_gmt":"2026-06-21T09:55:19","slug":"babel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herbstzeitlos.ink\/?p=17","title":{"rendered":"Babel"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#187;104608&#8243;]<span style=\"font-weight: 400;\">Die Kinder dehnen den Sinn der Worte aufs \u00c4u\u00dferste. Sie \u00fcbersteigen die Metaphern der Erwachsenen, die nur mehr durch semantische Leere gepr\u00e4gt sind. Selbst ein Hauch besitzt mehr Aussagekraft als ein Laut.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die zweite Babylonische Sprachverwirrung findet gerade statt. Allegoristereien der Kinder, die niemand mehr deuten kann.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Generationelle Unverst\u00e4ndlichkeit. Und die Lehrer lassen die Kinder nur mehr die unfl\u00e4tigsten Verben konjugieren. Wir tanzen im Ascheregen semantischer Erosion, unsere Metaphern sind nur mehr die polierten Knochen eines einst lebendigen Gedankens. Doch die Kinder zerschlagen die glatten, toten W\u00f6rter der V\u00e4ter und versuchen, aus deren Splittern ein neues, atmendes Orakel zu bauen. Ihre generelle Unverst\u00e4ndlichkeit ist keine Verwirrung, sondern ein Akt der Sch\u00f6pfung, eine Abwehrhaltung gegen die ererbte Aphasie des Sinns. Und am Anfang war der Schrei, der Urlaut. Der Schrei ist bereits die universelle Ausdrucksf\u00e4higkeit aus Mangel. Und das gesamte Leben ist defizit\u00e4r und durch Mangel bestimmt, im Sinne des Willens Schopenhauers. Der Schrei ist das Logos des Leibes, die Philosophie des Magens, die reine, ungefilterte Best\u00e4tigung des Mangels. Der Schrei kommt aus dem Magen, nicht aus der Lunge.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und Friedrich der Zweite ist immer noch auf der Suche nach der Ursprache. Doch die isolierten und abgeschotteten Kinder von der Au\u00dfenwelt starben, sprachlos, lieblos und alleingelassen. Die Ursprache, die daraus erkannt wurde, hei\u00dft Zuwendung und Geborgenheit. Und diese Sprache ist die Musik der Stille zwischen den Worten, das Echo eines Leidens, das zu tief ist, um in konventionelle Verse gefasst zu werden. Sie ist das Fl\u00fcstern der Seele, die die Welt zum ersten Mal sieht, unverdorben und unverstanden. Und aus diesem sprachlosen und sinnlosen Experiment erwuchs der dolce stil nuovo, die edelste aller Sprachen. Es ist die Sprache der Kinder, die alleingelassen wurden in ihrem Schrei. Es ist die Sprache Kaspar Hausers. Kaspar Hausers Trag\u00f6die und das Verbrechen an der Menschlichkeit eines Waisenkindes, das eingesperrt, in Einsamkeit, misshandelt und verspottet wurde und als Ausstellungsobjekt der Menschheit vorgesetzt wurde, fernab jeder menschlichen Stimme, in der grausamen Hoffnung, ihre Lippen w\u00fcrden nicht die Worte der M\u00fctter und V\u00e4ter hervorbringen, sondern die reine Ursprache, als Vokabel Gottes. Es klang aber kein Griechisch, kein Hebr\u00e4isch. Es erwuchs etwas viel Elementareres, etwas, das tiefer schnitt als jeder Sinn: Es erwuchs der Schrei in seiner reinsten Form, der zum Lied wurde, sobald die Hoffnung starb. Es war die Grammatik der Einsamkeit, die Syntax des Hungers nach Ber\u00fchrung. Der Kaspar Hauser in uns allen, der aus dem Dunkel kriecht und die Welt mit den Augen der t\u00f6dlichsten Unschuld betrachtet, spricht diese edelste aller Sprachen. Eine, die nicht l\u00fcgt, weil sie die Worte der L\u00fcge nie gelernt hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und die Kinder schreien nicht mehr, sie fl\u00fcstern in sanften Allegorien, die kein Hermeneut des Abendlandes mehr entschl\u00fcsseln kann, hier im Felde des Klatschmohns, auf der Suche nach verlorenen Lippen. Sie suchen nicht die Ursprache, sie erfinden sie t\u00e4glich neu, aus dem Defizit heraus, das wir ihnen hinterlassen.Unsere Metaphern sind die Mumien einstiger Erkenntnis; sie liegen in den staubigen Sarkophagen der Konvention, und niemand wagt es mehr, sie zu ber\u00fchren. Wir sprechen in Chiffren der Sachlichkeit, im Jargon des Funktionierens, und jedes Gef\u00fchl wird sofort in eine b\u00fcrokratische Vokabel der Seele \u00fcberf\u00fchrt. Das Nichts-Sagen ist zur h\u00f6chsten Form der Rhetorik geworden, zur semantischen Leere, die wir mit dem lauten L\u00e4rm der Redundanz \u00fcbert\u00fcnchen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Turm zu Babel wurde schlussendlich nie fertig gebaut, da jeder in fremden Zungen sprach. Gott wollte es nicht erlauben, dass der Turm \u00fcberheblich bis zum Himmel reicht. In Sorge, dass ihnen \u201enichts mehr unerreichbar\u201c sein k\u00f6nnte, \u201ewas sie sich auch vornehmen\u201c, verwirrte der Herr ihre Sprache und zerstreute sie \u201e\u00fcber die ganze Erde\u201c. Das Turmbauprojekt ist gescheitert. Doch die wahre Sprache ist nicht die, die den Himmel erreicht, sondern die, die die Kluft zwischen zwei Menschen \u00fcberbr\u00fcckt, die einander nicht verstehen d\u00fcrfen. Die Sprache existiert seitdem nicht mehr als ein einheitliche, himmelst\u00fcrmender , monolythischer Turm, sondern als ein mosaikartiges, zerstreutes Fl\u00fcstern im Wind. Jede neue Sprache ist ein Fragment dieses Turms, ein verzerrtes Echo des einstigen Plans. Und genau dieses Fragment, diese L\u00fccke im Verstehen, ist der N\u00e4hrboden, in dem sich nun Sprachen bilden k\u00f6nnen. Die sumerischen Zikkurate sind weitere Versuche der Menschen, sich Gott zu n\u00e4hern, so wie es die gotischen Kathedralen sind, die phallisch in den Himmel reichen. Durch dieses Turmbauereignis kam die Sprachvielfalt \u00fcber die Erde und mit ihr das \u00dcbersetzungsproblem. Die Kehle, einst Br\u00fccke des Verstehens, wurde zum Abgrund des Unverst\u00e4ndnisses. Pl\u00f6tzlich werden\u00a0 Menschen fremd aufgrund ihrer Sprache. Der Turmbau, oder der Beginn des Rassismus\u2019. Und die Baufirmen sind noch heute ein Konglomerat aus verschiedenen Ethnien und Sprachen, die ein Bauwerk vollenden sollen. Die H\u00e4nde, die gestern noch synchron hoben und trugen, z\u00f6gerten nun, denn der Befehl, der sie leiten sollte, war ein r\u00e4tselhaftes Labern geworden. Und es entstand eine Angst vor dem, was anders klingt. Und es entstand eine Angst vor dem, der anders spricht. Und Nebukadnezar war ihr Bauleiter und Architekt. In seiner autorit\u00e4ren Position blickte er jedoch auf ein zeitgen\u00f6ssisches Tr\u00fcmmerfeld der Verst\u00e4ndigung zur\u00fcck, anstelle von Pal\u00e4sten und Prunkbauten. Das \u00dcbersetzungsproblem ist die Melodie, zu der die Menschheit ihren endlosen Tanz der Entzweiung auff\u00fchrt \u2013 ein ewiges Echo des zerbrochenen Turms im Zweistromland, das uns zur unentrinnbaren, farbenpr\u00e4chtigen Vielfalt auf der ganzen Erde verdammt hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nach der Sintflut kam der Turmbau,\u00a0 wahrscheinlich aus Angst vor einer zweiten Rache Gottes. Es ist nur logisch, in die H\u00f6he zu bauen, um steigendem Wasser zu entfliehen. So stieg die Menschheit empor, nicht mehr in der Arche geborgen, sondern im stolzen Kalk\u00fcl des Ziegels. Es war die reine, verzweifelte Logik der \u00dcberlebenden: Die Sintflut hatte die Horizontale weggeschwemmt, die Sicherheit lag einzig in der Vertikalen. Die Erinnerung an das sch\u00e4umende, steigende Nichts fra\u00df sich in das kollektive Ged\u00e4chtnis, eine feuchte Angst, die nur durch das klare, trockene Licht des Himmels gemildert werden konnte. Als Geometrie der Angst wurde entgegen der Schwerkraft gebaut. Der Turm war eine gesteinerte Bitte um Distanz, eine geometrische Fluchtlinie, die sich vom feuchten Grab der Erde abwandte. Jeder behauene Block war ein Eid gegen die Wiederkehr des Wassers, ein Trotzstein, gesetzt gegen die g\u00f6ttliche Laune. Es war kein Aufstieg aus Arroganz, sondern aus der nackten Notwendigkeit, sich dem n\u00e4chsten Zorn zu entziehen. Sie bauten, weil das Wissen um die Macht des Wassers sie nie wieder loslie\u00df. In jedem M\u00f6rtelstrich lag der Schreck der ertrunkenen Welt. Der Turm war nicht nur ein Bauwerk, sondern eine kolossale Narbe, die die Seele der Ebene trug, der ewig verl\u00e4ngerte Mast eines gestrandeten Schiffes, das nur eine Richtung kannte: nach oben, weg von der Tiefe, weg von Gott. Doch in diesem verzweifelten Streben nach dem trockenen Gipfel, in dieser logischen Konsequenz der Angst, lag bereits das unlogische Vergehen: Der Himmel, den sie suchten, war kein Zufluchtsort, sondern der Thron dessen, dessen Rache sie fliehen wollten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Gestalt des gescheiterten Turmbaus findet sich als Archetyp in vielen Kulturen wieder und ist vom Kern her \u00e4hnlich. Er ist der Ur-Schutt, das kollektive Trauma der menschlichen Anma\u00dfung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und jedes Bauwerk spiegelt die Hybris der Menschen wider, die von den G\u00f6ttern bestraft wurden. Diese arrogante Geometrie, die versuchte, die eigene sterbliche Gr\u00f6\u00dfe \u00fcber die unendliche Macht des Kosmos zu stellen. Jede zerbrochene S\u00e4ule, jede verlassene Ruine ist seither ein stummer Prediger dieser alten Wahrheit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Norden gab es einen Riesenbaumeister, der eine riesige Burg bauen wollte, deren Fertigstellung Thor verhinderte. Der Hammer traf den Sch\u00e4del, wo einst die Hybris thronte, und die riesige Feste sank zu Schutt, ehe sie ganz Himmel sein konnte. In Indien gab es einen riesengro\u00dfen, prangenden\u00a0 Feigenbaum, den die Menschen als Himmelsleiter nutzten. Die G\u00f6tter zerst\u00f6rten ihn sogleich und zerstreuten die abgebrochenen \u00c4ste \u00fcber die ganze Welt, aus denen wiederum neue B\u00e4ume wuchsen, denen das gleiche Schicksal drohte. Aber im Akt der Zerst\u00f6rung lag das Saatgut der Vielfalt: Die abgebrochenen Glieder wurden zu Keimen, zerstreut \u00fcber alle Winde. Wo sie fielen, schlugen sie Wurzeln und wurden zu neuen, vielf\u00e4ltigen B\u00e4umen, von denen jeder versuchte, die verlorene Verbindung wiederherzustellen. So entstand die Buntheit der Kulturen, jede ein junger Sch\u00f6ssling mit eigener Sprache, eigenem Saft und eigenem Klang \u2013 alle verdammt zur Wiederholung des Aufstiegs und des folgenden Falls. Daraus entstanden viele verschiedene Kulturen und Sprachen. Eine daraus entstandene Ethnie der D\u00e4monen schichtete einst Ziegelsteine \u00fcbereinander, um bis zum Himmel zu steigen. Unbelehrbar von der Sanftheit des Holzes, w\u00e4hlten sie das kalte, schwere Material des Scheiterns: den Ziegelstein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u200bSie schichteten, getrieben von einem gierigen Verlangen nach dem g\u00f6ttlichen Sitz. Ihr Turm war eine schwarzrote Beharrlichkeit gegen die himmlische Ordnung, ein fester, unerbittlicher Aufstieg, der keine Gnade kannte. Doch der Gott Indra legte einen Ziegelstein dazu. Bevor die Turmbauer bis zum Himmel gelangten, zog er diesen Stein wieder heraus und die D\u00e4monen fielen alle nach unten. Sie zerbrachen ihre H\u00e4lse an der harten Erde und wurden, in einer letzten, grausamen Metamorphose, zur schweigenden, kriechenden Schar der Spinnen, die nun ihre winzigen Netze spannen, als traurige, filigrane Karikaturen ihrer einstigen, riesigen Bauwerke. Sie verweilten nunmehr in ihren winzigen Kokons ihrer kleinen Sprachinsel und f\u00fchrten nunmehr Selbstgespr\u00e4che. Und Arachne lachte sie aus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch in Afrika baute man Holzger\u00fcste himmelw\u00e4rts, die aber dasselbe Schicksal der G\u00f6tter traf. Aus diesem Schrecken heraus entstanden fremde Sprachen. im Land der Pr\u00e4rie und der stillen W\u00fcsten, sang das Wasser sein uraltes Lied vom Zorn. Dort sandten die \u00dcberlebenden nicht die Taube, sondern den Coyote aus, den Schalk und Kundschafter, dessen schlaue Pfote durch den klammen Schlamm tappte, um die Weite der zur\u00fcckgewichenen Flut zu messen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u200bNach der R\u00fcckkehr des Tieres, das die Botschaft der trockenen Erde brachte, erwachte die alte Furcht in neuer H\u00fclle. Die Menschen bauten ihre Heiligt\u00fcmer, ihre Gottespal\u00e4ste, nicht mehr aus Angst vor dem Zorn Gottes, sondern als geometrische Treuebekenntnisse zum Himmel \u2013 oder als Trotz gegen die feuchte Erinnerung, die in ihren Knochen sa\u00df.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u200bVon den Steppen des Nordens bis zu den steinernen Hochlanden Mexikos wiederholte sich das Drama. Die Pyramiden, die gestuften Tempel, waren die Zwillinge Babels, errichtet mit demselben Streben, denselben Stein um Stein gefalteten Wunsch, die Distanz zwischen Erde und Ewigkeit zu verk\u00fcrzen. Es war die Logik des \u00dcberlebenden, die sich in monumentaler Architektur manifestierte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u200bUnd selbst dort, in den T\u00e4lern der neuen Welt, ereilte sie der Fluch der Zunge. Die G\u00f6tter, unerbittlich in ihrer Sehnsucht nach Ordnung, rissen die Einheit aus der Kehle der Baumeister. Die klare Anweisung zerfiel zu einem Kauderwelsch, der Steinmetz verstand den Tr\u00e4ger nicht mehr. Die Entzweiung durch die Sprachverwirrung ist ein universeller Atemzug, der die V\u00f6lker \u00fcberall trennt, ein kosmisches Echo, das von Mesopotamien \u00fcber Afrika bis hin zum Horizont der aztekischen Sonne hallt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u200bIn jedem gebauten Stein, der nicht ganz vollendet wurde, liegt die Erkenntnis: Die Himmelsleiter ist ein Traum, den die G\u00f6tter den Menschen immer wieder entrei\u00dfen m\u00fcssen, damit die Erde voller Vielfalt und Zerstreuung bleibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und siehe, die Sehnsucht nach dem Gipfel legte sich \u00fcber die Erde wie ein Netz aus Stein. In jedem Dorf, so klein es auch sei, wuchs der Kirchturm, eine stumme, steinerne Nadel, die den Himmel durchbohrte. Es war die Sublimation des babylonischen Traumes in christlicher Demut \u2013 die H\u00f6hendominanz blieb, nur das Motiv wandelte sich vom Trotz zur Anbetung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u200bDie Vertikale dominiert. Sie ist der Pfahl, der die Welt h\u00e4lt, die Achse der Seele. Das Horizontale hingegen, die Ebene der M\u00fchsal, des Ackers und des Alltags, gilt als gering gesch\u00e4tzt, als jenes feuchte Erdreich, dem die Menschheit immer entfliehen wollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Und die Kinder spielen Jenga, bei dem abwechselnd Holzkl\u00f6tze herausgezogen werden m\u00fcssen und der Turm nicht einst\u00fcrzen darf. Jeder herausgezogene Klotz ist eine Aktion des Entzugs, die unweigerlich an Indras Stein erinnert, der die St\u00fctze des D\u00e4monenturms wegnahm. Die Balance ist ein Gebet. Das Spiel ist die psychische Wiederholung des urzeitlichen Scheiterns. Eine Geometrie der Angst. Und Mikado, das feingliedrige Spiel der St\u00e4be, ist die st\u00e4ndige \u00dcbung im Entfernen ohne Kollaps, die stoische Bew\u00e4ltigung des Chaos, das entsteht, wenn die Ordnung der Vertikale pl\u00f6tzlich in die Horizontale \u00fcbergeht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die vertikale Sehnsucht dominierte schon seit Nimrods Zeiten. Horizontales wird gering gesch\u00e4tzt. Und der Regen fiel morgens vertikal, abends aber horizontal. Und die Natur selbst spielt ihr eigenes, unerbittliches Spiel: Der Regen, der am Morgen vertikal fiel, eine sanfte, geordnete Linie vom Himmel, verwandelte sich am Abend im Sturm in eine horizontale Wut, die mit Macht gegen die Mauern schlug.<\/span><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Du suchst verzweifelt nach Worten und bist ergriffen von einem tiefen Ausdruckverlangen. Doch es gelingt nur unverst\u00e4ndliches Sprechen in Sprachen die es nicht gibt. Worte sch\u00e4len sich und zerbrechen zu rastlosem Stammeln, zu blo\u00dfen Lauten, Konstrukten und Sch\u00f6pfungen. Sie \u00fcberschwemmen in un\u00fcbereinstimmenden Person-Pr\u00e4dikat-Korelationen dein Wollen etwas auszudr\u00fccken. Ist &#171;Sie&#187; weiblich oder doch die Anderen, die vielen? Labiles Stottern, unh\u00f6rbares Lispeln, Lallen in verwirrenden Anschwellungen verhaspeln dich in subjektlose Nebens\u00e4tze; Zeitw\u00f6rter die nur die Vergangenheit kennen, weder Gegenwart und Zukunft; Nur die Vorvergangenheit, denn du hast keinen Anteil an der Mitvergangenheit. Sie war stehts ohne dir und nicht mit. Und deine Wortwirbel l\u00f6sen sich vom Menschen, t\u00f6nen leise in die vaku\u00f6sen, sph\u00e4rischen Lochr\u00e4ume hinein und dein Schallen verliert sich dort, in Abwesenheit von einem f\u00fcllenden weitertragendem Medium, echolos in deinem selbsterschaffenen Babel.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text uncode_shortcode_id=&#187;104608&#8243;]Die Kinder dehnen den Sinn der Worte aufs \u00c4u\u00dferste. 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